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Nov
18

TNS Infratest

Gemeinsame Schlüsselindustrien

Matthias Schultze, Geschäftsführer des German Convention Bureau (GCB), über die Marktanalyse von TNS Infratest, die bilaterale Verflechtung des Meetingmarktes der USA und Deutschlands, Schlüsselbranchen und geografische Hotspots.

TW: Das German Convention Bureau (GCB) lässt von TNS Infratest eine Marktanalyse bezüglich der bilateralen Verflechtung des Meetingmarktes der USA und Deutschlands erstellen. Warum?

Schultze: Diese Studie dient als Grundlage, um den Tagungs- und Kongressstandort Deutschland international und besonders im für Deutschland sehr wichtigen Markt der USA besser vermarkten zu können. Außerdem soll sie Unternehmen als Kompass dienen, wo und inwiefern sich Firmen und Unternehmen in den USA verstärkt präsentieren könnten oder sollten. Zentrale Gründe für Deutschlands Attraktivität international sind ja das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis, die große Palette an hochwertigen Tagungshotels, Kongresszentren und Eventlocations und die wirtschaftliche und wissenschaftliche Kompetenz Deutschlands.

TW: Was bedeutet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis?

Schultze: Im europäischen Vergleich bietet Deutschland einen sehr hohen Qualitätsstandart zu relativ günstigen Preisen. Bezüglich der Tagungspauschalen und Übernachtungskosten ist es deutlich günstiger als der europäische Durchschnitt. Außerdem verfügt Deutschland über Hunderte exzellenter Tagungs- und Kongressstandorte, während viele europäische Länder nur über drei, vier Städte mit einer adäquaten Infrastruktur verfügen. Darüber hinaus sind die deutschen Regionen mit rund 40 Verkehrsflughäfen, einem der dichtesten Eisenbahn- sowie einem der bestausgebauten Autobahnnetze hervorragend angebunden, was eine kostengünstige, komfortable und flexible Anreise erlaubt.

TW: Die USA sind für Deutschland immer noch der wichtigste internationale Markt. Was sind die Gründe für diese enge Beziehung?

Schultze: Deutschland ist der größte europäische Exporteur auf den amerikanischen Markt und steht darüber hinaus auf Platz sechs der größten Absatzmärkte amerikanischer Produkte. Insgesamt ist Deutschland der wichtigste Handelspartner der USA auf dem europäischen Markt. Das hängt auch damit zusammen, dass die deutsch-amerikanischen Beziehungen eine lange Tradition haben. 46 Millionen US-Amerikaner sind deutscher Abstammung. Die Studie ermittelt jetzt sehr detailliert in welchen Branchen Deutschland und die USA wirtschaftlich besonders eng verflochten sind und wo regional die geografischen Hotspots liegen.

TW: In welchen Branchen ist die ökonomische Verflechtung besonders groß?

Schultze: Besonders intensiv sind die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA in den gemeinsamen Schlüsselbranchen wie dem Automobilsektor, der Pharmaindustrie, Medizin und Gesundheit, dem Finanzdienstleistungsbereich, Technologie und Innovation sowie Energie und Umwelt.

TW: Wo liegen die geografischen Hotspots und inwiefern ist die Verflechtung für den Kongressmarkt relevant?

Schultze: Europa ist die mit Abstand die wichtigste Auslandsdestination amerikanischer Veranstaltungsplaner. Deutlich noch vor dem Nachbarland Kanada. Rund 50 Prozent aller ausländischen Veranstaltungen amerikanischer Tagungs- und Eventorganisatoren finden in Europa statt. Das lässt sich an den Übernachtungszahlen amerikanischer Gäste in Deutschland ablesen. Die USA sind der zweitwichtigste Quellmarkt für das deutsche Incoming-Geschäft. 2010 sind die Übernachtungszahlen amerikanischer Gäste um 11,1 Prozent auf 4,8 Millionen angestiegen. Für das erste Halbjahr 2011 errechnete das Statistische Bundesamt eine weitere Zunahme von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt sind mehr als ein Viertel aller Reisen aus den USA nach Deutschland beruflich bedingt. Und die Regionen um Stuttgart und München sind als Headquarter von Automobilherstellern wie BMW, Porsche und Mercedes ideale Standorte für Branchenkongresse der Automobilbranche. Hier bietet sich die Zusammenarbeit mit vergleichbaren Zentren wie Detroit an. Stuttgart war kürzlich Gastgeber der erfolgreichen Enhanced Safety of Vehicles Conference. Außerdem wird dort nächstes Jahr im April der Kongress i-Mobility - Ausstellung und Kongress für intelligente Mobilität durchgeführt. Ein anderes Beispiel sind die Finanzzentren New York und Frankfurt. 300 Banken - darunter 190 Auslandsbanken - sind in Frankfurt ansässig. Außerdem ist Frankfurt Sitz der Europäischen Zentralbank und der Deutschen Bundesbank. Der bilaterale Austausch bietet sich auch hier an.

TW: Wie steht der Meetingmarkt in Deutschland nach der Finanz- und der darauf folgenden Wirtschaftskrise derzeit da?

Schultze: Die Ergebnisse des Meeting- & EventBarometers 2011, der maßgeblichen jährlichen Studie zum Veranstaltungsmarkt in Deutschland bilanzierten für letztes Jahr wieder mehr Veranstaltungen, mehr Teilnehmer und höhere Budgets. Veranstaltern stehen heute über 1.500 Kongress- und Veranstaltungszentren, knapp 3.200 Tagungshotels und 1.690 Eventlocations zur Verfügung. Bereits zum siebten Mal in Folge belegt Deutschland als Kongress- und Tagungsstandort den ersten Platz in Europa. Im weltweiten Vergleich der Länder steht Deutschland hinter den USA an zweiter Stelle. Denn deutsche Anbieter zeichnen sich durch eine hohe Innovationskraft aus und sind zum Beispiel führend im Bereich Green Meetings und Nachhaltigkeit. Die hohen Standards, die Deutschland auf diesem Feld zu bieten hat, sind ein handfestes Argument, das in Zukunft noch wichtiger werden wird. Interview: Dirk Mewis