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Barrierefreiheit auf Veranstaltungen: Interview mit Christiane Link

„Manchmal hapert es noch“

Interview mit Christiane Link, Journalistin, Rednerin, Trainerin und Bloggerin (Behindertenparkplatz.de), Sprecherin auf greenmeetings und events, 13.-14. Februar 2017, Waiblingen



Frau Link, worauf kommt es besonders an, wenn man eine Veranstaltung barrierefrei organisieren möchte? Welche Fehler werden oft von Veranstaltern gemacht?

Christiane Link: Das Wichtigste ist, dass sich Veranstalter überhaupt darüber bewusst werden, dass behinderte Menschen – mit den unterschiedlichsten Behinderungsformen – überhaupt zu ihrem Kundenkreis gehören. Viele Behinderungen sind gar nicht sichtbar. Es sind immer mehr behinderte Menschen aktiv, nehmen am Berufsleben teil, d.h. die Anzahl derer, die zu Konferenzen geht, wird immer größer. Daher wird es eine immer interessantere Zielgruppe.

Welche Veranstaltungen kennen Sie persönlich, die Barrierefreiheit bereits vorbildlich umsetzen?

Ich besuche seit 10 Jahren fast jedes Jahr die re:publica in Berlin, die als ganz kleine Konferenz angefangen hat. Mittlerweile hat sie jedes Jahr mehrere Tausend Besucher. Die Veranstalter geben sich richtig viel Mühe, was Barrierefreiheit angeht und wollen möglichst vielen behinderten Menschen Zugang zu ihrer Konferenz ermöglichen. Und das nicht nur, was die bauliche Barrierefreiheit angeht. Es gibt auch teilweise Gebärdensprache-Dolmetscher, auf der großen Bühne gibt es Live-Untertitelung, so dass auch schwerhörige und gehörlose Menschen verfolgen können, was auf der Bühne passiert, und viele andere kleine Maßnahmen.

Das empfinde ich als sehr angenehm und fühle mich auf der Konferenz willkommen. Man kann jedes Jahr sehen, dass sich die Veranstalter noch etwas Anderes überlegt haben und realisieren konnten. Behinderte Menschen sind dort willkommen, sowohl als Teilnehmer als auch als Speaker.

Gibt es Tagungs- oder Messezentren, die Ihrer Meinung nach bereits sehr gut auf Barrierefreiheit eingestellt sind? Gibt es Länder, die hier bereits besonders weit sind?

Bei den großen Tagungs- und Messezentren sieht es in Deutschland und Europa ganz gut aus. Manchmal hapert es noch an der Information, die man vorher bekommt. Da sind andere Länder weiter. In Großbritannien kann ich bei so gut wie jedem Veranstaltungsort auf der Website nachschauen, wie barrierefrei der Tagungsort ist, wo der nächste Behindertenparkplatz ist, welche Information der Veranstalter mir mitgeben möchte, bevor ich dort überhaupt ankomme und was ich sonst noch wissen sollte.

Diese Informationen fehlen bei den deutschen Veranstaltungsstätten manchmal noch. In Großbritannien und den USA hat es sicher damit zu tun, dass es eine viel längere Tradition gibt, Veranstaltungszentren barrierefrei zu machen, behinderte Menschen als Kunden und Besucher wahrzunehmen und ihnen einen optimalen Service zu geben. Dazu zählt auch, gute Informationen zur Verfügung zu stellen und klar zu machen, dass dieser Personenkreis willkommen ist.

www.greenmeetings-events.de