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Feb
20

Waiblingen

Greenmeetings-Konferenz: „Agent of Change“ mit der Motorsäge

Eine Exkursion der "Greenmeetings" führte zum Nachbarn Stihl. (Foto: tw/Wewoda)

An alten Einstellungen sägen: Dies setzte die „Greenmeetings und Events“-Konferenz mit 250 Teilnehmern am 13. und 14. Februar 2016 in die Tat um. Viele partizipative Formate belebten die Veranstaltung, die globale Sichtweisen und schwäbische Bodenständigkeit gekonnt vereinte.

„Die Kongressbranche ist teils schon Katalysator und kann Agent of Change sein für Nachhaltigkeit, weil sie sich an Multiplikatoren wendet“, meint Dr. Dirk Glaesser in seiner Keynote in Waiblingen am Ende, der Direktor Sustainable Development der World Tourism Organisation bei den Vereinten Nationen. Nach dem Vortrag kommt Thomas Berghausen, Mitgründer der Webcast-Spezialisten von Metafusion, aus dem Publikum vor zur Bühne, geht schnurstracks auf Dirk Glaesser zu, dann sprudelt es förmlich aus ihm heraus: „Jetzt habe ich endlich nicht mehr das Gefühl, dass die Nachhaltigkeitspolitik wie ein Ufo ist, das hier bei uns landet.“

Die Kongressveranstalter Matthias Schultze (GCB) und Joachim König (EVVC) stehen zwischen den beiden, Schultze strahlt über beide Backen. Schließlich war er es, der Glaesser in einem Workshop bei der Deutschen Zentrale für Tourismus kennenlernte, ansprach und überzeugte, an der Greenmeetings-Konferenz teilzunehmen anlässlich des „Internationalen Jahres des nachhaltigen Tourismus“. Sein Vortrag findet nicht in Bonn, Paris oder Rio statt.

Glaesser, weitgereister Kosmopolit, kommt in die schwäbische Kreisstadt Waiblingen, um zur deutschen Kongress- und Meetingbranche zu sprechen. „Im Publikum sitzen lauter Multiplikatoren“, hat Matthias Schultze ihm triftige Gründe genannt, im städtischen Bürgerzentrum vorzutragen, vor den Toren Stuttgarts gelegen. Der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky dankt es ihm: „Danke, dass Sie dieses Wagnis eingegangen sind!“ Die Waiblinger Gastgeber investieren viel Herzblut, auch mit authentischen eigenen Beiträgen zu Inklusion, unter anderem von Thomas Vuk, Fachbereichsleiter Kultur und Sport der Stadt Waiblingen.

"Kann die kundenorientierte und kommunikationslastige Veranstaltungsbranche überhaupt Flüchtlingen Arbeit bieten?", fragt er sich und die Branche. Dann antwortet Vuk selbst: „Es gibt immer immer zehn Gründe, es nicht zu tun! Man muss es wollen“ Die Stadt Waiblingen ist beim Thema Inklusion besonders aktiv, unter anderem im Gästehaus Insel, einer Einrichtung, die auf unterschiedliche Weise geistig herausgeforderte jüngere Menschen fit macht für den ersten Arbeitsmarkt, in der Regel für eine Ausbildung in der Hotellerie und Gastronomie.

Eine andere Exkursion brachte eine Gruppe von Delegierten zum Waiblinger Nachbarn Stihl, einem Familienunternehmen und Global Player im Bereich Motorsägen und Werkzeugen für Waldarbeiter. Das ist ein inhaltlich durchaus stimmiger Bezug, denn der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft – stets konnte nur so viel Holz geschlagen werden, wie nachwächst – das ist das Urverständnis einer ressourcenerhaltenden Wirtschaftsweise.

Engagierte Diskussionen waren ein besonderes Merkmal der Konferenz, denn Formate zum Mitmachen und die Abkehr von Frontalvorträgen im Plenum taten der Veranstaltung sehr gut. So diskutierten die Teilnehmer energiegeladen beim World Café "PerspektivWechsel", mitveranstaltet von der Imex Group und der Hochschule für angewandte Wissenschaften. Unter anderem war hier „Arbeit 4.0“ ein Thema, verstanden als durch Digitalisierung und demographischen Wandel verursachte Transformation der Arbeitswelt. (wew)

(Ein ausführlicher Bericht folgt in unsere Printausgabe 1/2017, Erscheinungsdatum 1. März 2017)