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Mär
29

CSR-Events

Am Ende zählt das Resultat

Distributoren-Konferenz der KYOCERA MITA: 50 Manager, die sich sonst als Wettbewerber gegenüber stehen, bauten einen Bolzplatzes für Hortkinder.

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Vorstände und Direktoren der Allgeier Holding legen einen Spielplatz für seelisch behinderte Kinder an.

Aimé Sans, Geschäftsführer der Full-Service-Agentur BUSINESS & NATURE
über soziales Engagement, Nachhaltigkeit und CSR-Events.


TW: Dass Unternehmen soziales oder ökologisches Engagement zeigen, gilt inzwischen als ein tragender Pfeiler wirtschaftlichen Erfolgs. Corporate Social Responsibility (CSR) lautet dafür der Fachbegriff. Anstatt als reine Profitmaschinen wahrgenommen zu werden, streben Unternehmen danach, sich als Corporate Citizen in die Gesellschaft einzubringen. Verliert CSR angesichts der Wirtschafts-und Finanzkrise an Bedeutung?

Aimé Sans: Ja etwas. Leider zählen CSR-Maßnahmen zu einem Bereich, in dem in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise sehr schnell Geld eingespart werden kann und der deshalb an Bedeutung verliert. Die wichtige Frage bleibt aber bestehen, wie die Öffentlichkeit, die Kunden und vor allem die Mitarbeiter der Unternehmen auf solche Kürzungen reagieren. Die langfristigen und eher negativen Folgen für das Unternehmen sind meines Erachtens nicht zu unterschätzen.

TW: Moderne CSR hat mit dem alten Mäzenatentum, traditioneller Spendenbereitschaft von Unternehmen und Sponsorentätigkeiten nur noch wenig zu tun. Heute finden CSR-Programme immer häufiger Eingang in reguläre Businessstrategien, sei es zur Aufbesserung des Images gegenüber Kunden, als Trumpf im Recruiting oder aber als praktischer Ausdruck der Unternehmensphilosophie sowie zur Aufhellung des Betriebsklimas. Welche CSR-Events hat BUSINESS & NATURE in der jüngeren Vergangenheit konzipiert?

Aimé Sans: Wir haben im Laufe der letzten 10 Jahren ganz unterschiedliche CSREvents konzipiert. Beispielsweise haben Vorstände und Direktoren der Allgeier Holding, einer großen IT-Firma, vor einigen Wochen einen Spielplatz für seelisch behinderte Kinder, in Unterhaching erbaut. Ein anderes Projekt war der Bau eines Bolzplatzes für Hortkinder in Potsdam, den 50 Manager, die sich sonst als Wettbewerber gegenüber stehen, im Rahmen einer zweitägigen Distributoren-Konferenz der KYOCERA MITA, erbauten. Und das bisher größte CSR-Projekt haben wir mit 200 internationalen Führungskräften eines Pharma
Konzerns realisiert. Es wurde im Rahmen des jährlichen Kick-Offs im Januar 2010 in Kapstadt durchgeführt. Dafür haben wir mit zwei lokalen Non-Profit Organisationen 15 verschiedene Projekte ins Leben gerufen. Denn jeder sollte persönlich involviert sein und auch „Hand anlegen“ dürfen.

Die 200 Führungskräfte konnten sich auf einer von uns bereit gestellten Internet-Plattform, für eine der 15 Aktivitäten anmelden. Die Aktivitäten reichten von Marketing-Workshops mit lokalen Hilfsorganisationen über den Bau zweier Kinderkrippen, zweier Spielplätze bis hin zu Fotoaktionen für Kinder eines Flüchtlingslagers. Im Rahmen dieser Aktion haben 30 Teilnehmer warmes Essen zubereitet und später auch selbst an 6.000 Kinder ausgeteilt. Dem Feedback nach zu urteilen, wurden die Erwartungen der Teilnehmer weit übertroffen und ihr Bewusstsein für ein Leben, das nur wenig mit unserer Wohlstandsgesellschaft gemein hat, geöffnet und geschärft.

TW: Wie kann man intelligent und zielgruppengerecht Corporate Social Responsibility-Projekte in Events, Teamund Führungskräfte-Training und Weiterbildungsprojekte einbinden?

Aimé Sans: Als erstes ist es erforderlich den Kunden dafür begeistern, Zeit- und Budget- Rahmen exakt zu definieren und ein klares Commitment für die Durchführung der CSR-Aktion einholen. Danach muss man eine professionelle Non-Profit-Organisation (NPO) oder einen sozialen Träger und ein Projekt suchen, das zu dem Kunden passt. Dabei muss der Fokus zwingend immer auf dem Bedarf der NPO liegen. Grundsätzlich ist ein CSRProjekt in Team- oder Führungskräfte- Trainings besonders gut zu integrieren. Dabei müssen die Teilnehmer dann statt einer fiktiven Aufgabe ein „real life-Projekt“, mit wirklichem Ressourcen-Management, relevantem Qualitätsmanagement und einem fixen Fertigstellungstermin verantworten. So wie bei dem konkreten Bau eines Spielplatzes, bei dem die Materialen zwar gestellt werden, aber sonst alles vom Team organisiert und koordiniert werden muss.

Dabei ist eigentlich egal, um welche Art von Veranstaltung es sich handelt. Die Hauptsache ist vor allem, dass die Teilnehmer durch die entsprechende CSR-Aktion nachhaltig berührt werden, und das Event noch lange im Gedächtnis bleibt und die Herzen berührt.

TW: Kritiker führen immer wieder an, Unternehmen setzten CSR und „Green Meetings“ als Marketinginstrumente ein, würden es nach außen jedoch als rein soziales Engagement verkaufen, da die Werbemaßnahme ansonsten keine Wirkung zeige. Ist diese Kritik berechtigt?

Aimé Sans: Ja, vielleicht ist das so und dafür gibt es mit Sicherheit einige Beispiele aus der Vergangenheit, die dies belegen. Jedoch sind pragmatisch gesehen Gelder zu sozialen Einrichtungen geflossen,
die ohne die CSR Maßnahmen der Unternehmen dort wohl nicht zur Verfügung
stehen würden. Daher bin ich der Meinung, dass man lieber durch CSR sein Image verbessert und auf diese Weise etwas Gutes bewirkt, als lediglich die Motivation zu kritisieren und stattdessen nichts zu tun. Am Ende zählt eben das Resultat. Den Kindern, die auf einem Spielplatz toben, ist es nämlich egal aus welchen Gründen er gestiftet worden ist.

TW:
Besteht ein Zusammenhang zwischen der finanziellen Performance eines Unternehmens und dessen sozialem Engagement?

Aimé Sans: Sicher. Normalerweise haben Unternehmen mit hohen Erträgen mehr Geld für soziales Engagement. Aber einen statistisch fixierbaren Anteil gibt es mit Sicherheit nicht.

TW: Immer mehr Anbieter und Planer der Meeting- Industrie interessieren sich für klimafreundliche Veranstaltungsorganisation und Ressourcenschonung. Hängen die Bereiche CSR und „Green-Meetings“ zusammen?

Aimé Sans: Aus meiner Sicht nicht. Man kann höchstens sagen, dass die Unternehmen, die sich um „Green Meetings“ bemühen, auch versuchen, einen Beitrag zur Balance zwischen ökonomischer Stabilität, ökologischer Tragfähigkeit und sozialer Gerechtigkeit zu leisten.

Interview: Dirk Mewis