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Mär
30

Incentives

„Über der heute erhöhten Wahrnehmungsschwelle positionieren“

Jochen Schweizer, Gründer und Active Chairman der Jochen Schweizer Unternehmensgruppe, über Reizüberflutung, vergängliche Gegenstände und Abenteuer, die die Seele berühren.

TW: Das Unternehmen Jochen Schweizer ist vor allem als Dienstleister für Adrenalinkicks bekannt. Wagemutige können sich beim Base Flying vom Dach des Hotels Park Inn Berlin-Alexanderplatz in Berlin 125 Meter in die Tiefe stürzen. Nur ein Seil bremst den Flug. Hubschrauberflüge, bei denen man selbst anden Steuerknüppel darf, House Running, bei dem man eine Hauswand senkrecht herunterläuft oder Fallschirm Tandemsprünge bietet die Münchner Firma ebenfalls an. Worin liegt der Reiz von konfektionierten Abenteuern?

Schweizer: Menschen haben sich schon immer nach Abenteuern und dem Gefühl von Freiheit gesehnt. Für die subjektive Wahrnehmung ist es dabei egal, ob man sich das Abenteuer selbst organisiert hat oder ob das von Profis gemacht wurde. Authentische Erlebnisse, kleine Alltagsfluchten sind ein Luxus, denn in der Vergangenheit haben wir fast alle Energie darauf verwendet, Alltägliches zu meistern und die grundlegenden Konsumbedürfnisse zu befriedigen. Nachdem nun jeder einen Fernseher, eine Waschmaschine und einen Toaster zu Hause hat, ist endlich genug Freiraum da, sich den eigenen Neigungen stärker hinzugeben. Abenteuer und Erlebnisse treten mehr in den Vordergrund. Viele Unternehmen haben das erkannt und nutzen unsere Erlebnisse verstärkt für Firmen-Incentives, zur Mitarbeitermotivation oder im Rahmen von Teambuilding-Maßnahmen. Sachgegenstände sind vergänglich, sie landen irgendwann unweigerlich in der Schublade oder im Mülleimer. Erlebnisse hingegen berühren die Seele und sind für immer als positive Erinnerung abrufbar. Und wer sich an das Erlebnis erinnert, erinnert sich auch daran, wem er es zu verdanken hat. Die Jochen Schweizer Events GmbH, die bisher für Marketing-Events und Show-Inszenierungen verantwortlich zeichnete, hat ihr Portfolio um den Baustein Firmenkunden-Incentives erweitert. Mit der 25-jährigen Event-Erfahrung und durch den Zugriff auf über 2.000 Erlebnispartner aus unserem Erlebnisgeschenke-Segment können wir somit ein extrem vielfältiges Repertoire an individuellen und maßgeschneiderten Gruppenerlebnissen mit äußerster Flexibilität anbieten. Die große Auswahl an Erlebnissen hat für den Kunden einen grundlegenden Vorteil: Für jeden Geschmack, für jede Gruppengröße, an jedem Ort findet sich etwas Aufregendes, Belustigendes oder Berührendes. Man kann online unter fast 1.000 Ideen stöbern und dann bei uns ein individuelles Programm entwickeln lassen.

TW: Welche Angebote gibt es noch für Adrenalinfans?

Schweizer: Die Wünsche sind sehr unterschiedlich. Für die einen bedeutet der Fallschirm Tandemsprung aus einem Flugzeug den größten Kick, der andere sucht das Abenteuer bei einer wilden Rafting-Tour und wieder andere treten lieber aufs Gaspedal und erleben den absoluten Nervenkitzel beispielsweise bei einer Fahrt mit einem echten Rennwagen. Auf www.jochen-schweizerincentives.de bieten wir unter verschiedenen Incentive-Rubriken wie etwa „Abenteuer“, „Wassersport“ oder „Motorpower“ eine große Auswahl an Gruppen-Erlebnissen an. Darunter actiongeladene Angebote, beispielsweise Rennbob fahren, House Running, SWAT-Training, Quad- und Höhlentouren, Outdoor Survival Camps und viele mehr.

TW: Angefangen hat das Unternehmen aber als Organisator von Marketingevents. Was waren die ersten Events?

Schweizer: Den Anfang machten Bungee Jumping Aktionen, etwa für Fisherman‘s Friend. Einen großen Erfolg hatten wir auch mit unserer Einkaufstüten-Promotion für Esprit. Danach folgte die Entwicklung vertikaler Show-Acts. Beim Vertical Catwalk lassen wir Models senkrecht an den Außenfassaden von Wolkenkratzern laufen. Fußball, Rugby und Tennis wurden für Agenturkunden als sogenannte Flying Sports Produktionen in der Vertikalen gespielt und verschiedene Stunts und Gebäudeinszenierungen konnten mit der Zeit ebenso ins Programm aufgenommen werden. Die bisherigen Highlights waren sicher die Enthüllung des Brandenburger Tors, die Eröffnung des Terminals II am Münchner Flughafen und viele spektakuläre Vertikalshows in aller Welt, wie zum Beispiel gerade in Moskau und Shanghai. Zunächst verließen sich vor allem Big Player, Weltkonzerne, auf unsere Expertise. Immer mehr mittelständische Unternehmen zogen nach. Zu unseren Kunden gehören große Namen wie Audi, BMW, O2, Panasonic und Vattenfall. Die Kunden wissen, dass unsere Projekte erfrischend anders sind und jede Firmenveranstaltung um das entscheidende Bisschen Spaß und Adrenalin bereichern. Die spektakulären Vertikalinszenierungen produzieren wir heute bevorzugt in Zusammenarbeit mit Agenturen als Gewerk im Gesamtzusammenhang eines größeren Events.

TW: Welche Incentive-Events hat Jochen Schweizer für welche Firmen in jüngerer Vergangenheit organisiert?

Schweizer: Erst kürzlich konnten wir für ein großes internationales Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie, die Billa-Gruppe, eine ganze Incentive-Serie durchführen. Diese fand an verschiedenen Orten statt. Bestandteile waren GPS-Touren, Offroad-und Quad-Touren und viele weitere teambildende Events. Die AllianzAG erlebte ein mehrtägiges Outdoor-Wochenende im Allgäu mit uns. Das Programm in diesem Fall beinhaltete Rafting, Canyoning, Quadfahren und Gleitschirmfliegen. Für die Übernachtung und Tagung wurde zudem ein erstklassiges Wellness-Hotel organisiert. Aktuell beginnen für die meisten Firmen schon wieder die Planungen für erlebnisreiche Weihnachtsfeiern und Winterevents. Beliebte Weihnachts-Incentives sind Wok fahren, Iglu bauen mit Iglu-Übernachtung oder Schneeschuhwandern aber auch Indoor-Events wie unsere verschiedenen Erlebnisdinner.

TW:
Haben sich Events als Instrument der Marketingkommunikation in den letzten 10, 20 Jahren verändert und haben sie an Bedeutung gewonnen?

Schweizer: Absolut. Wenn ich heute eine Botschaft vermitteln will erreiche ich das am besten in einem Kommunikationsmix, bestehend aus einer Vielzahl von Kommunikationsdisziplinen. In diesem Konzert hat der Event permanent an Bedeutung gewonnen. Wir alle unterliegen einer Reizüberflutung. Täglich werden tausende von Botschaften an uns adressiert. Unser Schutzmechanismus ist die selektive Wahrnehmung. Wenn ich eine Botschaft erfolgreich vermitteln möchte, dann muss ich mich hoch und spitz über der heute erhöhten Wahrnehmungschwelle positionieren. Der Kunde kommt heute nicht mehr zur Marke. Die Marke muss sich dem Kunden in den Weg stellen. Mit unseren Inszenierungen geben wir Marken eine neue emotionale Dimension. Wichtig ist aber auch, nicht stehen zu bleiben. Man muss immer wieder mit Neuem überzeugen. So haben wir Anfang des Jahres das neue Angebot „Interactive Vertical Vision“ ins Event-Portfolio aufgenommen. Dabei kombinieren wir die Kunstform des Vertical Catwalk mit einer interaktiv gesteuerten Videoprojektion. Lasersensoren einer Spezialkamera messen die Bewegungen der Akteure in Realzeit – zum Beispiel flügelschlagähnliche Armbewegungen – und ein Prozessor sucht sich das zugehörige Bewegtbild, etwa die Schwingen eines freifliegenden Adlers und projiziert dieses punktgenau und perfekt getimed in die Vertikale Show, die eine Hochhausfassade zu einer inszenierten Kinoleinwand werden lässt. Bisher war dieses System nur von Bodenprojektionen auf Messen bekannt– wir bringen es erstmals in die Vertikale – eine Weltneuheit.

TW: Was muss ein gutes Incentive leisten?

Schweizer: Im Vordergrund steht das gemeinsame Erleben. Das gemeinsame Staunen über zusammen Erlebtes bei einem Firmenausflug. Oder zusammen Erreichtes, etwa bei einer Teambuilding-Maßnahme mit Gruppenaufgaben. Gruppen werden durch die gemeinsamen Erfahrungen zusammengeschweißt. Zudem holen sie einen aus dem Arbeitsalltag heraus. Man lernt seine Kollegen viel privater und vielleicht auch von einer ganz anderen Seite kennen. Das baut Vertrauen auf. Die Mitarbeiter lernen, sich aufeinander zu verlassen und miteinander zu arbeiten, etwa bei Incentives, bei denen die Teilnehmer gemeinsam mit Spaß Aufgaben lösen oder sich gegenseitig helfen müssen. Erlebnisse bleiben in Erinnerung und wirken auf die ganze Gruppe.

TW: Gibt es im Unternehmens-Produktportfolio auch Angebote für Menschen, die einer Adrenalin-Flut eher skeptisch gegenüber stehen?

Schweizer: In unserem Erlebnisportfolio gibt es neben den Angeboten mit Action und Nervenkitzel auch zahlreiche Outdoor-Erlebnisse für Einzelpersonen und Gruppen, aber auch Wellness-Erlebnissef ür die Entspannung von Körper, Geist und Seele. Im Firmenkundenbereich haben wir daher auch für Menschen ohne Adrenalin-Lust sehr viele „weiche“ Incentives zur Auswahl. Das sind beispielsweise Kochkurse, Cocktail Workshops, Krimi Dinner, Casino Abende oder auch viele Events aus dem Bereich Strategie und Taktik.
Interview: Dirk Mewis