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Mär
31

Basel

Pharmaindustrie, Life Sciences und die Art

© Manfred Walker/pixelio.de

Die weltgrößte Messe zeitgenössischer Kunst

Im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz, liegt ein boomender High-Tech-Standort. Obwohl Basel nur 170.000 Einwohner zählt, ist es Europas wichtigster Standort der Pharmaindustrie. Und jedes Jahr im Sommer findet hier die weltgrößte Messe zeitgenössischer Kunst statt.

Die vielleicht beste Art sich einen ersten Eindruck von Basel zu verschaffen bietet der Rhein. Hier, wo der Strom gerade Mal die ersten 150 seiner über 1.235 Flusskilometer zwischen Alpen und Nordsee hinter sich gebracht hat, ist seine Wasserqualität noch ausgezeichnet – und ein Sightseeingtrip aus der Wasserperspektive keine Mutprobe. Beim offiziellen Rheinschwimmen im Spätsommer stürzen sich gleich mehrere
tausend Menschen in die Fluten und lassen sich im Fluss durch die Innenstadt treiben. Organisiert wird das Spektakel von der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft.

Das Flussschwimmen in einer der wichtigsten Wasserstraßen Europas ist nicht so exotisch, wie es klingt. Auch sonst kann man immer wieder Rheinschwimmer beobachten. Mit der Strömung geht es dann entlang der Innenstadt flussabwärts, die Kleidung im wasserdichten Gepäck. Eine gute Viertelstunde dauert die Tour. Zurück kann man dann laufen oder den Bus beziehungsweise die Straßenbahn nehmen.

Der maritime Sightseeing-Trip durch die drittgrößte Stadt der Schweiz führt vorbei an mittelalterlichen Fachwerkhäusern und auf die Silhouette eines boomenden High-Tech-Standortes mit Fabriktürmen zu. Basel ist nicht nur Heimat für Chemie und Pharmariesen wie Novartis oder Roche. Auch Biotechnologieunternehmen wie Syngenta, Solvias oder Apaco entwickeln hier Produkte, die unter dem Begriff Life Science subsumiert werden. ‚Bio-Valley’, in Anlehnung an das kalifornische „Silicon Valley“, wird die Region mittlerweile genannt. Zehntausende Arbeitnehmer aus Deutschland und Frankreich pendeln jeden Tag in die Stadt, um in der Boom-Town ihr Geld zu verdienen.

Basel ist zum europaweit stärksten und erfolgreichsten Standort der Pharmaindustrie geworden. Mit den Pharmamultis Novartis und Roche sind zwei der fünf weltweit größten Pharmaunternehmen in Basel angesiedelt. Der Life Sciences Bereich, zu dem die Forschung, Entwicklung und Produktion von Produkten der Pharma-, Medtech- und Agro-Branche gerechnet werden, ist dagegen fest in der Hand von kleineren und mittelständischen Unternehmen (KMU). Auf rund 90 Prozent taxieren Experten den Anteil der KMUs.

„Die Grenzen von Life Sciences, den Lebenswissenschaften, sind fließend“, erklärt Dr. Lorenz Mayr, Executive Director der Novartis Institutes for BioMedical Research. „Aber mehrheitlich versteht man darunter die Pharmaindustrie und die Biotechnologie.

Häufig vergessen wird der Bereich Pflanzenschutz, der aber klassischerweise dazu gehört. Und nicht dazu gehört eigentlich der Bereich der Lebensmittelindustrie oder dort assoziierte Bereiche“ (Interview S. 14). Mayr ist Konferenzpräsident der MipTec, einer Veranstaltung, die unter dem Dach der ‚Life Sciences Week’ stattfindet.

„Vor vier Jahren haben wir uns entschieden die Mip-Tec, die im wesentlichen eine Fachkonferenz mit angeschlossener Ausstellung darstellt, kostenlos anzubieten“, beschreibt Mayr das Konzept.

Die Veranstaltung werde durch Sponsoren wie europäische Pharmafirmen, die Schweizer Wirtschaftsförderung und die angeschlossene Ausstellung finanziert. Das wissenschaftliche Programm sei zu etwa 60 Prozent von dem industriellen Umfeld und zu rund 40 Prozent aus dem akademischen Bereich gestaltet.

„Beteiligt sind Angestellte von schweizer und deutschen Pharmaunternehmen wie Novartis, Roche, Actelion, Sanofi-Aventis, Boehringer Ingelheim, Bayer Schering und Merck. Auch britische und amerikanische Pharmafirmen wie Pfizer, GlaxoSmithKline und AstraZeneca sind vertreten.“ Erreicht werden solle so eine enge Verzahnung zwischen Industrie und Hochschule.

„Basel ist Veranstaltungsort der ‚Life Sciences Week’, weil „es zu den weltweit bedeutendsten Zentren der Pharmaund Chemieindustrie gehört und drittgrößter Life-Sciences-Standort Europas ist“, analysiert Alain Pittet, Regional Managing Director Schweiz und Deutschland der Congrex Gruppe, die die Mip- Tec organisiert. Pittet prognostiziert, dass sich Ärztekongresse in Zukunft verändern werden (Interview 12).

Die Life Sciences Week hatte sich schon dieses Jahr verändert, weil sich mit den Organisatoren der ILMAC (Zuliefermesse für Pharma und Chemie), der MipTec Drug Discovery Conference, der BioValley Life Sciences Week sowie dem Scientific Forum (Schweizerische Chemische Gesellschaft) und dem FMISymposium zur Feier von 40 Jahren Spitzenforschung fünf Veranstalter entschieden hatten, ihre Veranstaltungen parallel vom 20. bis 24. September durchzuführen. Eine Besonderheit war dabei die ILMAC, eine Fachmesse für Forschung und Entwicklung, Umwelt und Verfahrenstechnik in der Pharma-, Chemieund Biotechnologie, die nur alle drei Jahre stattfindet. Mehr als 530 Aussteller aus 15 Ländern zeigten rund 17.000 Besuchern dort ihre Produkte.

Das Congress Center liegt mitten in der Stadt, ist das flächenmäßig größte der Schweiz und direkt mit dem Messegelände verbunden, das über 6 Hallen mit insgesamt 162.000 Quadratmeter Bruttoausstellungsfläche verfügt.

Hier findet auch, mittlerweile zum 41. Mal, die Art Basel statt. Bei der weltgrößten Messe zeitgenössischer Kunst buhlen 300 Galerien mit Werken von 2000 Künstlern um Käufer. In einem Schaulager lagern Werke (Beuys, Nauman, Schnabel) der Emanuel- Hoffmann-Stiftung. Einmal im Jahr wird diese Schatzkammer geöffnet.

Schon Tage vor Beginn der Art Basel bekommt man kaum ein Hotelzimmer, an den ersten drei Tagen sei die Stadt komplett ausgebucht, sagt Christoph Bosshardt von Basel Tourismus. Viele Basler überlassen ihre Wohnungen den Messegästen und reisen von dem Geld in Urlaub. DM