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Mär
31

Convention Bureau

Public-Privat-Partnership-Modell

Matthias Rieger, Hamburg Convention Bureau

Matthias Rieger, Geschäftsführender Direktor des Hamburg Convention Bureau über frühere Defizite des Standortes, die Erweiterung des Kongresszentrums und eine Stadt mit mehr Brücken als Venedig und Amsterdam zusammen.

TW: Meeting-Planer haben in der Vergangenheit oft beklagt, dass es in Hamburg keinen zentralen Ansprechpartner für sie gab. Wann hat die Stadt umgedacht?

Rieger: Eigentlich haben wir in Hamburg zwanzig Jahre lang versucht ein eigenständiges Convention Bureau aufzubauen. Aufgrund unterschiedlicher Interessenslagen in Politik, Verbänden und Wirtschaft hat es dann am Ende allerdings dann immer nicht richtig geklappt. Gleichzeitig wurde jetzt aber der Druck aus der Branche immer größer. Und es entstehen oder entstanden mittlerweile in Deutschland in fast allen großen Städten Convention Bureaus. Weltweit gibt es ein solches Netz sowieso schon. Unser Feedback aus der Wirtschaft für den Plan einer zentralen Anlaufstelle für Meetingplaner war glasklar: Wir sind dafür, das Projekt ist überfällig, aber wir unterstützen es nur, wenn das Convention Bureau eine unabhängige Einrichtung der Stadt ist.

Wir haben dann ein Public-Privat-Partnership-Modell konzipiert als eigenständige GmbH mit einer Basisfinanzierung der Stadt und Geldgebern aus der Privatwirtschaft. Gesellschafter sind die Hamburg Tourismus GmbH (HHT) und die Hamburg Messe und Congress GmbH (HMC).

TW: Wer sind die Geldgeber und welche Leistungen bietet das Convention Bureau?

Rieger: Wir haben mit dem deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Hamburg (DEHOGA), der Handelskammer und dem Flughafen drei strategische Partner. Außerdem gibt es Preferred Partnerschaften für 3 unterschiedliche Leistungsstufen mit entsprechenden Beiträgen. Dafür vermarkten wir den MICE-Standort Hamburg und vermitteln Geschäft. Ein Meetingplaner, der hier eine Veranstaltung plant, kann sich an uns wenden und wird professionell beraten. Wir vermitteln Dienstleister, Locations und Hotels, die in Frage kommen und holen Angebote ein.

TW: Was macht die Stadt für Meeting-Planer attraktiv?

Rieger: Wir haben mit 420 Millionen Euro die Messe aufgerüstet, das Congress Center Hamburg (CCH) erweitert und dort eine 7.000 Quadratmeter große Ausstellungshalle angebaut. Diese Erweiterungen der Messe und des Kongresszentrums, die mitten in der Stadt liegen, waren allerdings dringend notwendig. In walking distance um das Kongresszentrum und die Messe herum gibt es ausreichend Hotels aller Klassen, Besucher können direkt aus dem ICE aussteigen und gehen nur wenige Schritte ins CCH. Der internationale innerstädtische Airport ist nur gut acht Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Außerdem ist die Hansestadt sehr dynamisch. Jeden Monat schießen neue exzellente Eventlocations aus dem Boden.

TW: Im Business Travel Bereich knüpfen sich bei Unternehmen ein Drittel der Reisen an Kongresse und Events, im Verbandsbereich sogar zwei Drittel. Ein Drittel aller deutschen Unternehmen streicht mittlerweile Geschäftsreisen. Events werden gecancelt, Kongresse verschoben. Inwiefern machen sich die Reiserestriktionen in Hamburg bemerkbar?

Rieger: Die Entscheidungen fallen insgesamt immer kurzfristiger. Im Verbandsbereich noch nicht so sehr, aber im Corporate-Bereich ist der Zeitabstand von der Entscheidung bis zur Veranstaltung teilweise schon unsinnig gering. Die Firmen überlegen im Moment eben sehr kurzfristig, wie sie ihre Ressourcen einsetzen. Insgesamt merken wir, dass Meetings relativ selten gecancelt werden, aber dass die Zeitdauer abnimmt. Statt zwei Übernachtungen nur eine oder statt einer Übernachtung eben keine.

TW: Ist die Erweiterung und Modernisierung des CCH ausreichend?

Rieger: Kurzfristig ja, sie war überfällig. Wir sind dadurch jetzt in die Lage versetzt worden, uns auch um A-Kongresse zu bewerben, die wir früher wegen ihrer Größenordnung nicht unterbringen konnten. Die Europäische Photovoltaik Solar Energie Konferenz und Messe hätten wir ohne die Erweiterung gar nicht bekommen können und den Kongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensivmedizin und Notfallmedizin hätten wir vielleicht verloren. Aber zwischen dem völlig neu sanierten Radisson Hotel mit 560 Zimmern und dem Anbau am CCH gibt es einen Teil in der Mitte, der 35 Jahre alt ist. Der ist zwar gut gepflegt, aber professionelle Veranstaltungsplaner merken natürlich den Unterschied. Die Stadt ist dabei, eine Revitalisierung zu planen. Wenn wir weiter in der 1. Liga spielen möchten, muss das aber auch zeitnah umgesetzt werden.

TW: Spricht sonst noch was für Hamburg?

Rieger: Die Stadt hat mehr Brücken, als Venedig und Amsterdam zusammen. Die Elbe, die Alster, der zweitgrößte Hafen Europas und die ständig steigende Anzahl der Kreuzfahrtschiffe, die den Hafen anlaufen, wie die ‚Queen Mary 2’: Das alles zeigt wie stark Hamburg durch das Wasser geprägt ist. Auch das Hamburger Rathaus steht auf mehr als 4.000 Eichenpfählen im Wasser. Wer Hamburg mit dem Flugzeug erreicht, sieht sehr viel Wasser und große Parks. Fast 50 Prozent des Stadtgebietes sind mit Grünanlagen, Wasserflächen und Wäldern bedeckt. Und mit dem spektakulären Konzerthaus ‚Elbphilharmonie’ auf einem alten Kaispeicher bekommt Hamburg ein ganz spektakuläres Wahrzeichen. Natürlich am Wasser.

Interview: Dirk Mewis