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Apr
04

Großkongress in Malta

Interview: Vielleicht der Beginn einer neuen Zeitrechnung

The Oriflame Gold Conference

Tjasa Avgustin, International Conference and Event Manager des Kosmetikkonzerns ‚Oriflame’ und Paul Selis, Director der Destination Management Company ‚On Site Malta’ über den größten Kongress der jemals auf Malta stattgefunden hat und den schwedischen Naturkosmetikkonzern Oriflame.

TW: Malta ist jetzt Gastgeber des größten, jemals auf der Mittelmeerinsel veranstalteten Kongresses. Der schwedische Naturkosmetikkonzern ‚Oriflame’ begrüßt im Rahmen der ‚Oriflame Gold Conference’ vom 29. August bis 4. September rund 4.200 Teilnehmer. Warum und wann hat sich Oriflame  für Malta entschieden?

Selis: Die Entscheidung fiel kurz nach der EIBTM in Barcelona 2008. Vor drei Jahren haben wir Oriflame eingeladen nach Malta zu kommen und sich die Insel, die Locations, die verschiedenen Hotels und die Möglichkeiten, die Malta auch klimatisch für einen Kongress dieser Größenordnung Anfang September bietet, anzusehen. Wir haben uns dann für das Event 2009 beworben, obwohl wir dafür eigentlich zu spät dran waren. Der Kongress fand dann in Rom statt. Damals rechneten wir mit 3.200 bis 3.500 Personen. Da das Unternehmen aber so unglaublich schnell wächst, sind es jetzt 4.200 Teilnehmer.

TW: Seit der Gründung 1967 hat sich Oriflame zum milliardenschweren Konzern mit Aktivitäten in 60 Ländern und einem Vertriebsheer von rund drei Millionen Beraterinnen entwickelt. 2008 betrug der Umsatz 1,33 Milliarden Euro, vor allem die Märkte in Osteuropa und Asien wachsen stark. Was ist die Zielsetzung des Kongresses?

Avgustin: Oriflame ist ein internationales Kosmetikunternehmen mit inzwischen 5.200 Angestellten und drei Millionen unabhängigen Beauty-Beraterinnen und gehört zu den am schnellsten wachsenden Direktvertriebs-Unternehmen der Welt. Denn der Name ist in vielen Ländern zu einem Begriff von hochwertigen Produkten aus natürlichen Inhaltsstoffen, einer bequemen Art des Einkaufens und fairen Preisen geworden. Früher waren unsere Kongresse hauptsächlich als Incentive konzipiert. Jetzt ist aber auch die Business Message ganz wichtig geworden. Kollegen treffen das Entwicklungsteam, lernen das Gesicht und Model der neuen Werbekampagne kennen und haben die Möglichkeit professionelle Erfahrungen auszutauschen. Das Event findet aber nicht zuletzt auch deshalb in mediterranen Ländern statt, weil das Licht, das Meer und die Atmosphäre hier entspannend und stimulierend zugleich wirken.

TW: Welche Destinationen wurden als Alternative in Erwägung gezogen?

Avgustin: Die Türkei, Portugal und Spanien. Wir haben dann verschiedene Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen. Die Türkei ist vielleicht etwas günstiger. In Spanien waren wir schon. Malta ist eine kleine Insel mit kurzen Wegen und dem Vorteil, englischsprachig zu sein. Es gab also keine Sprachbarrieren. Am Ende hat die Entscheidung dann der Vorstand in Schweden getroffen.

TW: Wie ist das Event konzipiert?

Avgustin: Nach dem Anreisetag fand das erste Meeting am Montag im Malta Fairs and Convention Centre (MFCC) statt. Übersetzt wurde die Konferenz in Arabisch, Bulgarisch, Tschechisch, Griechisch, Ungarisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Serbokroatisch, Türkisch und Spanisch. Am Abend gab es eine City-Tour nach Mdina und Rabat und danach das Welcome Dinner am Granaries Square. Am Dienstagmorgen besuchten die Teilnehmer das nächste Business Meeting im MFCC. Mittwoch und Donnerstag fanden dann Ländermeetings mit Begleitprogrammen statt und am Abend gab es als Höhepunkt das Gala Dinner am Granaries Square mit 4.200 Delegierten aus 39 Ländern.

TW: Warum fand das Gala Dinner dort statt?

Selis: Es ist einer der historischsten Orte Maltas, wo so ein Event möglich ist. Oberhalb des Granaries Square liegt die St. Publius Kirche sowie Argotti Gardens auf der St. Philip’s Bastion. Der riesige, mit Steinplatten ausgelegte Granaries Square verbirgt eine Anzahl von tiefen Silos, die im späten 17. Jahrhundert zur Versorgung von Valletta in Kriegszeiten angelegt wurden. Sehenswert ist auch die Mall – heute ein Garten, früher jedoch ein Gelände, auf dem die Ritter eine Art von Tennis spielten. Das alles schafft eine ganz besondere Atmosphäre. Glücklicherweise hat es an dem Abend nicht geregnet.

TW: Was wäre dann passiert?

Selis: Wir hatten natürlich einen Plan B. Und die Botschaft und die Organisation des Events haben wir selbstverständlich auch für einen anderen Ort durchgespielt. Aber genau so klar ist auch, dass wir diese Atmosphäre, die die Granaries haben, nicht hätten hundertprozentig replizieren können.

TW: Wie erfolgte die Anreise der Teilnehmer?

Avgustin: Fünf gecharterte Flugzeuge haben rund 1.500 Personen befördert. Das war vor allem für größere Gruppen, wie die aus Moskau notwendig. Die restlichen Teilnehmer sind mit Linienmaschinen geflogen. Die Zusammenarbeit mit Air Malta hat sehr gut funktioniert.

TW: Was war die Aufgabe des DMC „on site malta“?

Selis: Wir haben die Verträge mit den Hotels und Locations ausgehandelt und den Transport sowie die Technik koordiniert. Die Teilnehmer sind in insgesamt 13 Hotels untergebracht worden – zum Großteil Fünf-Sterne sowie mehrere Vier-Sterne- Häuser – rund um St.Julian’s, Valletta und Attard. Aufgeteilt hatten wir die Hotels in fünf Zonen, die von unterschiedlichen Bussen angefahren wurden.

TW: In welchen Städten hat die ‚Oriflame Gold Conference’ vorher stattgefunden?

Avgustin: Sie ist unser größtes Event und findet nicht zuletzt wegen der Flugverbindungen häufig in Hauptstädten statt. 2008 war es Athen und letztes Jahr Rom.

TW: Kehrt die Gold Conference gelegentlich an den gleichen Veranstaltungsort zurück?

Avgustin: Ja. In Barcelona und Teneriffa waren wir jeweils nach ungefähr vier Jahren zum zweiten Mal.

TW: Wie hoch ist das Budget?

Avgustin: Das variiert. Dieses Jahr zwischen sieben und acht Millionen Euro allein für Malta ohne An- und Abreise.

TW: Wie viele Site Inspections hat es vor diesem Event gegeben?

Selis: Zehn.

TW: Ist Malta für einen Kongress dieser Größenordnung infrastrukturell wirklich geeignet?

Selis: Ich glaube, dass wir das jetzt beweisen konnten. Vor zehn Jahren hätte ich nicht einmal davon zu träumen gewagt, einen Kongress dieser Größe in Malta begrüßen zu dürfen. Die beiden Gründer von Oriflame haben diese Gold Conference jetzt als die beste, die sie erlebt haben, gelobt. Ich glaube daher, dass wir beweisen konnten, dass in Malta auch Großkongresse erfolgreich organisiert und abgewickelt werden können. Vielleicht ist das der Beginn einer neuen Zeitrechnung.

Interview: Dirk Mewis


On Site Malta
‚On Site Malta’ ist eine Destination Management Company (DMC), die Meetings, Incentives, Konferenzen und Events in Malta organisiert und abwickelt. Das Team spricht Englisch, Italienisch, Französisch, Deutsch und Holländisch. Kunden von ‚On Site’ waren unter anderem der Versicherungskonzern Allianz, das Modeunternehmen Boss, Coca-Cola, Mercedes und das Pharmaunternehmen Merck. Die DMC ist mit dem Qualitätssiegel der Malta Tourism Authority zertifiziert. Dieses Label wurde 2008 auf Basis internationaler Schemata eingeführt und hat die Aufgabe DMC’s offiziell anzuerkennen, die sich einem hohen und konstanten Qualitätsstandard verschrieben haben. Das Qualitätssiegel wird jeweils für die Dauer von einem Jahr vergeben. Anschließend müssen sich die DMC’s einer erneuten Qualitätsprüfung unterziehen.