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Apr
04

Malta

Megaevent auf der Mittelmeerinsel

Malta bei Sonnenaufgang

Malta: 6.000-jährige Geschichte

Malta war kürzlich Gastgeber des größten, jemals auf der Mittelmeerinsel veranstalteten Kongress. Der schwedische Naturkosmetikkonzern ‚Oriflame’ begrüßte im Rahmen der ‚Oriflame Gold Conference’ vom 29. August bis 4. September rund 4.200 Teilnehmer.

Die Tradition ist alt. Schon lange bevor Laptops und iPhones Kongresse bereicherten, waren die Maltesischen Inseln Veranstaltungsorte. Bereits 1.000 Jahre vor dem Bau der ägyptischen Pyramiden wurde der Tempel „Ggantija“ als Ort für rituelle Zusammenkünfte genutzt. Und heute lebt die Mittelmeerinsel, nur gut zweieinhalb Flugstunden von Deutschland entfernt, nicht zuletzt von Geschäftreisenden und vom Tourismus.

„Vor zehn Jahren hätte ich nicht einmal davon zu träumen gewagt, einen Kongress dieser Größe in Malta begrüssen zu dürfen“, blickt Paul Selis zurück. Und jetzt haben „die beiden Gründer von Oriflame diese Gold Conference als die beste, die sie erlebt haben, gelobt. Ich glaube daher, dass wir beweisen konnten, dass in Malta auch Großkongresse erfolgreich organisiert und abgewickelt werden können“, freut sich Director der Destination Management Company ‚On Site Malta’. „Vielleicht ist das der Beginn einer neuen Zeitrechnung.“

Die Entscheidung fiel kurz nach der EIBTM in Barcelona 2008. Vor drei Jahren hatte ‚On Site’ Oriflame eingeladen nach Malta zu kommen und sich die Insel, die Locations, die verschiedenen Hotels und die Möglichkeiten, die Malta auch klimatisch für einen Kongress dieser Größenordnung Anfang September bietet, anzusehen. „Wir haben uns dann für das Event 2009 beworben, obwohl wir dafür eigentlich zu spät dran waren. Der Kongress fand dann in Rom statt. Damals rechneten wir mit 3.200 bis 3.500 Personen“, beschreibt Selis die Kongresshistorie. Da das Unternehmen aber so unglaublich schnell wachse, seien es jetzt 4.200 Teilnehmer gewesen.

Tjasa Avgustin, International Conference and Event Manager des Kosmetikkonzerns ‚Oriflame’ hatte auch Städte in der Türkei, Portugal und Spanien in Erwägung gezogen. „Wir haben dann verschiedene Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen. Die Türkei ist vielleicht etwas günstiger. In Spanien waren wir schon. Malta ist eine kleine Insel mit kurzen Wegen und dem Vorteil englischsprachig zu sein. Es gab also keine Sprachbarrieren“, beschreibt Avgustin die Vorteile der Felseninsel im Mittelmeer. Am Ende hat die Entscheidung dann der Vorstand in Schweden getroffen. Die Oriflame Gold Conference ist das größte Event des Unternehmens und findet nicht zuletzt wegen der Flugverbindungen häufig in Hauptstädten statt. 2008 war es Athen und letztes Jahr Rom. Um die Teilnehmer nach Malta zu bringen, wurden fünf Flugzeuge gechartert, die rund 1.500 Personen beförderten. Das sei vor allem für größere Gruppen, wie die aus Moskau, notwendig, resümiert Avgustin. Die restlichen Teilnehmer seien mit Linienmaschinen geflogen. „Die Zusammenarbeit mit Air Malta hat sehr gut funktioniert.“


Rund 400.000 Einwohner leben auf Malta. Die Felseninsel im Mittelmeer ist mit 316 Quadratkilometern nicht übermässig groß, aber extrem abwechslungsreich. In Malta kann man den Vormittag am Strand verbringen, am Nachmittag kulturhistorische Zeugnisse aus einer 6000-jährigen Geschichte bewundern und sich am Abend ins Nachtleben von St. Julian’s stürzen.


Unterschiedlichste Invasoren haben ein buntes Gemisch von Spuren hinterlassen: Sizilianische Paläste in Mdina, einen arabischen Dialekt als Landessprache, englische Telefonhäuschen in Valletta und Linksverkehr auf den meist verstopften Straßen.

800 vor Christus kamen dann die Phönizier, später eroberte das römische Weltreich die Insel. Und im Jahr 59 soll hier der schiffbrüchige Apostel Paulus an Land gespült worden sein. Er blieb drei Monate und bekehrte in dieser Zeit die Insulaner zum Christentum. Acht Jahrhunderte später wurde Malta arabisch. Den Mauren folgten Normannen, Sizilianer, Spanier und dann Kaiser Karl V., der Malta dem Johanniterorden übergab.

Die geistlichen Ritter sollten von dem Brückenkopf im südlichen Mittelmeer aus sein Reich gegen die Türken unter Süleiman dem Prächtigen verteidigen. Die Glaubensritter befestigten den Hafen und bauten Trutzburgen. Die Verteidigungsanlagen stellten 1565 ihre Funktionstüchtigkeit unter Beweis, als ein gewaltiges Heer osmanischer Soldaten auf Malta landete und die ‚Große Belagerung’ begann. Trotz ihrer hoffnungslosen Unterlegenheit siegten die Johanniter und mit ihnen die Malteser, die bis heute jedes Jahr am 8. September die Niederlage und den Abzug der Türken feiern.


Seit Mai 2004 ist die Republik Mitglied der Europäischen Union (EU) und ein Sonderfall. Denn in zähen Beitrittsverhandlungen haben die Malteser etwas geschafft, das weder den Luxemburgern mit Lëtzenbuergesch noch den Iren mit Gälisch gelang. Malti, ein semitisches Idiom mit arabischen Wurzeln, ist Amtssprache in der EU geworden. Englisch ist zwar Geschäftssprache, aber untereinander wird Malti gesprochen. In Brüssel wird immer wieder händeringend nach Übersetzern für die neue Amtssprache gesucht. Zumindest aus maltesischer
Sicht gibt es gute Gründe für die Lex Malta. Denn die Historie des kleinsten Mitglieds der EU, das an der fülligsten Stelle 27 Kilometer misst, steht in umgekehrtem Verhältnis zu seiner Größe. Nur fünf Kilometer und 25 Minuten mit der Fähre entfernt liegt Maltas kleine Schwesterinsel Gozo. Hier befindet sich das UNESCO-Weltkulturerbe ,Ggantija’, älter als Stonehenge und Ägyptens Pyramiden und ein Monument der Hochkultur aus der Jungsteinzeit über die man nach wie vor fast überhaupt nichts weiß. Das Island, grüner und ländlicher als Malta, eignet sich hervorragend für das Rahmenprogramm vor oder nach der Konferenz – für Teambuilding-Veranstaltungen, Barbecues und Outdoor-Touren.
DM