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Apr
04

Oman

Sanfter Tourismus statt Gigantonomie

Traditionelle arabische Architektur

Der Ölreichtum ist endlich, deshalb suchen die Golfstaaten nach Alternativen. Dubai ist mit seinem Immobilien-Gigantismus in die Krise geschlittert. Der Oman setzt auf Bildung und sanften Tourismus - und hat Erfolg.

Hier gibt es noch traditionelle arabische Architektur statt uniformer Glitzerhochhäuser: Maskat, die Hauptstadt Omans, präsentiert sich ganz anders als Golfstaaten wie Dubai, die auf Megabauwerke setzen. Aber auch das Sultanat im Südosten der arabischen Halbinsel hängt immer noch sehr vom Erdöl ab. 78 Prozent der Haushaltseinnahmen stammen aus dem Öl und Gassektor. Gefördert wird das kostbare Gut seit 1967. Davor gab es keine Klimaanlagen, keine Luxuslimousinen, keine Computer in den Schulen. Der Reichtum, die schlaglochfreien Straßen, die Flughäfen in jedem Winkel des Landes, die bestens ausgestatteten Schulen, die kostenfreie Gesundheitsversorgung: All das ist nur durch die Einnahmen aus dem endlichen Rohstoff möglich.

Das Öl veränderte das Land am arabischen Golf. Doch während in anderen Golfstaaten einige reiche Familienclans von den Ölmilliarden profitieren und sich protzige Baudenkmäler setzen, wählte Oman einen anderen Weg. Natürlich hat auch hier der Sultan einen eindrucksvollen Palast, reiht sich im Regierungsviertel Villa an Villa. Doch die Hälfte seiner Einnahmen gibt der Staat für Bildung und Gesundheit aus. Investitionen, von denen auch die ganz normalen Bürger profitieren. Noch etwa 15 Jahre reichen Schätzungen zufolge die Ölreserven.

Deshalb setzt das Sultanat jetzt noch mehr auf den Tourismus und Geschäftsreisende. Als erstes hat das Land die Visaprozeduren vereinfacht. Visa gibt es nun direkt am Flughafen. Und unter anderem wurden in Oman 19 touristische Großprojekte angestoßen, die anders als in Dubai und Abu Dhabi nicht auf das Prinzip‚ höher, schneller, weiter setzen. Statt künstlicher Inseln oder Wolkenkratzer setzt Oman auf in die Natur eingebettete Golfplätze, überschaubare Marinas und Luxushotels mit Parkanlagen.

Die Auflagen für alle Projekte: umweltfreundliche Bauweise, sparsamer Umgang mit Energie, kein Gebäude höher als fünf Stockwerke. Das mit Abstand größte Regierungsprojekt‚ Madinat a’ Zarqa’ soll gar eine neue Stadt mit 200.000 Einwohnern an der Batinah Küste wachsen lassen. Für 15 Milliarden Dollar entstehen bis 2020 Luxushotels, Wohnanlagen, Museen und Einkaufszentren. ‚Integrierte Tourismusprojekte’ heißt so etwas in Oman. Also keine reinen Touristenburgen, sondern auch Wohnraum für die omanische Bevölkerung.

National Carrier ist Oman Air. Die 1993 gegründete Fluggesellschaft wächst rasant, denn die Airline punktet mit Superlativen: Die längsten Flachbettsitze der kommerziellen Luftfahrt, ein Business Class Produkt, das der First Class vieler anderer Anbieter gleicht, eine Economy Class, die mit weit mehr Platzangebot aufwartet als üblich. Beim Sitztest während der ITB Berlin 2010 zeigte Oman Air der Welt, dass sogar der größte Mann Deutschlands, Rolf Mayr aus Jena, mit einer Körpergröße von 2,22 Metern, bequem in den Airbus A330-Sitzen Platz findet. Luftfahrtgeschichte schrieb die Fluggesellschaft außerdem mit der erstmaligen uneingeschränkten Nutzung von Mobiltelefon und Internet in der Luft.
DM