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Okt
06

TW Talk

„Jährliches Wachstum von 20 Prozent”

Craig Moyes, Group Exhibition Director Reed Travel Exhibitions, über fünf Meetingmessen in fünf Erdteilen sowie den Goldstandard.

TW: Mit der EIBTM in Barcelona, der GIBTM in Abu Dhabi, der CIBTM in Beijing, der AIBTM in Baltimore und der AIME in Melbourne, umfasst das Portfolio von Reed Travel Exhibitions fünf Meetingmessen in fünf Erdteilen. Warum sollten Meetingplaner diese Messen besuchen?

Moyes: Im Laufe der Jahre hat Reed Travel Exhibitions eine Strategie entwickelt, um Meetingplanern und –anbietern ein Veranstaltungsportfolio zur Verfügung zu stellen, das den jeweiligen Bedürfnissen der wichtigsten Meetingmärkte rund um den Globus gerecht wird. Mit der erfolgreichen Premiere der AIBTM in Baltimore umfasst das Incentive-, Business Travel- und Meeting- (IBTM) Portfolio jetzt fünf Kontinente. Jede Veranstaltung zielt ganz klar auf eine bestimmte Region ab, wodurch einheimischen, regionalen bzw. internationalen Meetingplanern ein spezifisches und einmaliges Umfeld angeboten wird, in denen die örtlichen und regionalen Unterschiede im Hinblick auf Anbieter, Produkte und Dienstleistungen so zum Ausdruck kommen, dass Veranstalter beliebig viele geschäftliche Ziele auf jedem der geographischen Märkte in China (Asien/Pazifik), Nordamerika, Australasien, dem Mittleren Osten und Europa erreichen können. Bei jeder dieser Veranstaltungen können sich die teilnehmenden Meetingplaner jedoch über mehr noch als die Anbieterseite informieren; ihre Teilnahme bedeutet auch, dass sie Weiterbildungsprogamme mit regionalem Schwerpunkt besuchen können.

Diese beleuchten relevante und aktuelle Themen, die den Veranstaltern bei Geschäftsentscheidungen behilflich sind, und geben Einsichten in die Kultur sowie die Arbeitsweisen der jeweiligen Destinationen. Darüber hinaus kann jeder Meetingplaner an Netzwerk- Veranstaltungen teilnehmen. Dort kann er Zeit mit Kollegen sowie den Ausstellern der jeweiligen Messe verbringen, was ganz sicherlich Gelegenheit bietet, neue geschäftliche Kontakte zu knüpfen und laufende geschäftliche Diskussionen zu vertiefen – mit der Chance, Erfahrungen und Wissen auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene auszutauschen. Kein anderer Messeveranstalter bietet diese dynamische Möglichkeit, dem Veranstaltungsplaner dabei zu helfen, die Welt aus einer breiteren Perspektive in nur drei Tagen an so unterschiedlichen Orten wie Beijing, Abu Dhabi, Barcelona, Melbourne und Baltimore kennen zu lernen. Wir sind sehr stolz darauf, dass diese fünf Veranstaltungen zusammengenommen Zugang zu mehr als 5.000 Anbietern aus 100 Ländern, 17.000 Meetingplanern und mehr als 100.000 vorab vereinbarten Geschäftsterminen in jedem Jahr bieten. Das schafft eine unglaubliche und einzigartige Plattform, die wir in einer wahrlich globalen Dimension zur Verfügung stellen.

TW: Haben sich die Hosted- Buyer-Programme von Reed Messen in letzter Zeit verändert?

Moyes: Eigentlich nicht. Das liegt hauptsächlich daran, dass das Hosted-Buyer-Programm in der Branche als ‚Goldstandard’ angesehen wird, um den sich jede Veranstaltung dreht. Die Qualität unserer Hosted Buyer ist vorrangig. Zwar ist deren Anzahl natürlich auch wichtig, dennoch schauen unsere Aussteller hauptsächlich nach der Qualität der Einkäufer, und wir arbeiten außerordentlich hart daran, um genau das zu erreichen. Wir verlangen sogar bei allen unseren Veranstaltungen, dass sich jeder, der sich um eine Einladung als Hosted Buyer bewirbt, nach Qualität, Dienstrang, Kaufkraft, Zahl der durchgeführten Veranstaltungen sowie dem Bereich, an dem er interessiert, untersuchen lässt.

Wir schauen uns jede Branche und jeden Einkäufer einzeln an und würden demnach erwarten, dass etwa ein Veranstalter aus dem Agenturbereich verschiedene Veranstaltungen (bezüglich der Größe, Branche und geographischen Herkunft) verantwortet. Unternehmen veranstalten eher eine kleinere Anzahl von Meetings mittlerer Größe und Verbandsveranstalter organisieren eine bis zwei Treffen im Jahr mit erheblich höheren Teilnehmerzahlen (1.000 aufwärts). Bei jeder einzelnen Veranstaltung berücksichtigt der Qualifizierungsprozess diese Unterschiede, damit wirklich nur diejenigen Einkäufer eingeladen werden, die jeweils am relevantesten sind.

Selbstverständlich unterscheidet sich das Hosted- Buyer-Programm bei jeder Veranstaltung (so sind zum Beispiel auch kulturelle Nuancen zu bedenken). Wir sind jedoch immer bestrebt, jedes Programm so weiterzuentwickeln, dass den Bedürfnissen sowohl der Veranstalter als auch der Aussteller Rechnung getragen wird. So wurde auf Wunsch sowohl der Hosted Buyer als auch der Aussteller bei der EIBTM 2011 die Zahl der vorab terminierten Gesprächen von sechs auf sieben pro Tag erhöht. Dadurch können noch mehr Übereinstimmungen zu dem Zeitpunkt identifiziert werden, da die Hosted Buyer ihre bevorzugten Gesprächspartner auswählen. Und zusätzliche Gesprächstermine bedeuten mehr Geschäft für Einkäufer und Anbieter!

TW: Die Weltwirtschaft hat wieder Fuß gefasst. Auch in der Meetingindustrie ist die wirtschaftliche Talsohle jetzt überwunden, so das Ergebnis des Berichts von Future Watch 2011, der im Auftrag von Meeting Professionals International (MPI) durchgeführt wird. Wachstumstreiber sind dabei auf dem nordamerikanischen Markt vor allem die Verbände, während sich in Europa ein deutlicher Zuwachs an Unternehmensmeetings positiv bemerkbar macht. Woraus resultiert diese unterschiedliche Nachfrage?

Moyes: Gemessen an der Anzahl der jährlich veranstalteten Verbandstreffen sind die USA der wichtigste nationale Markt. Tatsächlich weisen die diesbezüglichen, durch ICCA bei ihrer jährlichen Verbandsumfrage über einen Zeitraum von 10 Jahren gesammelten Daten die USA immer als das führende Land aus. Mit insgesamt 623 im Jahre 2010 stattgefundenen Verbandsmeetings rangierten die USA gemessen an der Zahl der veranstalteten Treffen mit großem Abstand auf Platz 1, gefolgt von den europäischen Ländern Deutschland (mit 542 Meetings in 2010), Spanien (451), Großbritannien (399) und Frankreich (371). In den vergangenen 10 Jahren ist der Marktanteil der in der ICCA-Datenbank geführten US-amerikanischen Meetings jedoch von 9.1% in 2001 auf 6.8% in 2010 gesunken. Allein im vergangenen Jahr verringerte sich der Abstand zwischen den USA und dem seit 2004 zweitplatzierten Deutschland von 137 Meetings in 2009 auf 81 in 2010.

TW: Future Watch 2011 prognostiziert wieder mehr Meetings, ein insgesamt größeres Budget und steigende Teilnehmerzahlen. Gefährden jetzt die Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die steigende Staatsverschuldung in der Europäischen Union diese Entwicklung?

Moyes: Während der vergangenen zwei Jahre ist Unternehmen, Verbänden und Organisationen klar geworden, dass persönliche Begegnungen von Angesicht zu Angesicht für den längerfristigen Erfolg ihres Geschäfts unabdingbar sind. Ferner haben die Ergebnisse der ersten USamerikanischen Untersuchung über die wirtschaftliche Bedeutung der Tagungs- und Eventbranche die wichtigen Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und den Beitrag zum Bruttosozialprodukt eindeutig unterstrichen.

Die Tagungsbranche in den USA ist größer als die dortige Autoindustrie. Die riesigen Schuldenberge, die weltweit von den Staaten aufgehäuft werden (nicht nur in Europa und den USA), bleiben weiterhin bedrohlich, vor allem im Hinblick auf mögliche Steuererhöhungen. Dagegen sitzen viele Unternehmen heute auf liquiden Mitteln und müssen sich mehr denn je mit ihren Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten zusammenschließen und vernetzen.

TW: Mit der IMEX America in Las Vegas und der AIBTM in Baltimore finden jetzt zeitgleich zwei neue MICEMessen in den USA statt. Was spricht für die AIBTM in Baltimore?

Moyes: Wir wollen unsere Messe nicht mit einer anderen vergleichen bzw. uns davon abheben. Die AIBTM war die erste Messe ihrer Art in den USA und orientiert sich an dem erfolgreichen Portfolio von Ausstellungen, die von Reed Travel Exhibitions veranstaltet werden. Das sind die GIBTM im Mittleren Osten, die EIBTM in Europa, die CIBTM in China sowie die AIME in Australien. Die AIBTM, die im Juni 2011 Premiere feierte, besitzt zwar die gleichen Markenwerte, wie alle anderen Reed-Messen weltweit, aber mit Schwerpunkt auf den amerikanischen Markt für Inbound- und Outbound-Meetings, Incentives und das Veranstaltungsgeschäft. Ein Vorzug dieser globalen Präsenz besteht in der Möglichkeit, eine Datenbank mit internationalen Meetingplanern und –einkäufern aufzustellen, die es den Ausstellern ermöglicht, Beziehungen zu Kunden auf mehreren Messen aufzubauen.

Unsere Aussteller schätzen zunehmend den Wert und die Rentabilität einer Investition (ROI) in eine IBTM-Messe. Daher nehmen viele unserer ausstellenden Kunden an Reed Messen portfolioweit teil. Die globale Präsenz gewährleistet auch, dass jede Veranstaltung die Vorzüge eines professionellen Teams genießt, wo auch immer sie stattfindet. Die AIBTM bildet keine Ausnahme hier: Das Team befindet sich in der US-Zentrale von Reed Exhibitions (in Norwalk), von wo aus 115 Messen und Events jedes Jahr veranstaltet werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei jeder Veranstaltung im Reed Travel Exhibitions-Portfolio liegt in der Validierung der Besucher durch unabhängige Prüfer. Das sorgt dafür, dass die Teilnehmerzahlen, insbesondere diejenigen unsere Hosted Buyer und Fachbesucher betreffend, genau sind, und dass sich unsere Geschäftspartner und Kunden bei der Analyse ihrer eigenen ROI auf eine vollkommene Transparenz verlassen können. Die AIBTM ist eine solche Veranstaltung, was bedeutet – und das ist einzigartig für diese Branche in den USA – dass die offiziellen Messedaten erst bestätigt werden, nachdem dieser Prozess durchlaufen wurde. Das Angebot eines vielfältigen, qualitativ hochwertigen und relevanten Weiterbildungsprogramms ist ebenfalls ein Schlüsselprinzip bei jeder Veranstaltung. Die für die Entwicklung des weltweiten Professional Education Programms verantwortliche Mannschaft kann hierbei auf unser internationales Veranstaltungsnetz zurückgreifen, um Redner, Themen und Trendanalysen zu beschaffen.

TW: Rob Davidson, Dozent für Business Travel & Tourism an der University of Westminster in London, orakelte während der EIBTM in Barcelona: „Schon 2014 werden die Länder Brasilien, China, Indien und Russland für mehr als 60 Prozent des Wachstums in der Branche verantwortlich sein.“ Teilen Sie diese Einschätzung?

Moyes: Rob Davidson schreibt seit vielen Jahren jährliche Trendreports für unsere Branche. Seine profunden Kenntnisse stammen nicht nur aus seiner Erfahrung als Redner bei vielen führenden Branchenveranstaltungen, sondern auch aus seiner Teilnahme an zahlreichen Fachmessen und Branchentreffen weltweit. In den letzen Jahren spielen die BRIC-Länder eine zunehmend prominente Rolle. Ihr auch durch ihre immer umfangreichere Teilnahme an den IBTM-Messen dokumentiertes Wachstum zeugt von ihrer Entschlossenheit, ihre Marktanteile noch weiterhin auszubauen und ihre Konkurrenten dadurch herauszufordern, dass sie mit immer größeren Ausstellungsständen auftreten und immer mehr Ausstellungspartner rekrutieren.

Gleichzeitig wird die CIBTM in diesem Monat (August 2011) die größte Ausgabe ihrer Geschichte veranstalten. Seit ihrer Premiere 2005 hat die Veranstaltung derart an Dynamik gewonnen, dass sie bereits heute zur führenden Messe ihrer Art in Asien avanciert ist. „Die Messebranche in China besitzt zweifelsohne ein riesiges Potential. Es wird vorhergesagt, dass der Sektor ein Markt im Wert von USD 150 Milliarden mit jährlichen Wachstumsraten von 20% wird“ (HelmsBriscoe April 2011). Die diesjährige Messe reiht sich eindeutig in diesen Wachstumstrend. Der Einfluss der CIBTM sowohl auf das Inbound- als auch auf das Outbound-MICE-Geschäft wird sie eindeutig als das führende jährliche Business-Forum etablieren. Sie ist auch die einzige Veranstaltung, die von der China National Tourism Organisation (CNTO) offiziell anerkannt und unterstützt wird.

Interview: Dirk Mewis