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Okt
06

Malaysia

Rückenwind fürs MICE-Geschäft

Malaysia hat sich für die kommenden Jahre ehrgeizige Ziele für die Entwicklung des Geschäftsreise- bzw. MICE-Geschäfts gesetzt. Die gute Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Regierungsstellen und der Privatwirtschaft schafft dafür beste Voraussetzungen.

Das mittlerweile gut sechs Jahre alte Kuala Lumpur Convention Centre (KLCC) hat sich seit seiner Eröffnung den Ruf als die führende Kongresseinrichtung Malaysias und dessen Hauptstadt Kuala Lumpur erworben. Seine bisherige Bilanz kann sich sehen lassen. So gingen hier im Zeitraum von Juni 2005 bis März 2011 nicht weniger als 4.164 Events über die Bühne, bei denen insgesamt 10.6 Millionen Teilnehmer registriert wurden. Der wirtschaftliche Effekt aus diesen Aktivitäten wird mit umgerechnet rund 700 Millionen Euro beziffert. Der Erfolg des KLCC beruht nicht zuletzt darauf, dass man im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von Dienstleistungen entwickelt hat, die deutlich über das eigentliche Kerngeschäft hinausgehen.

„Im heutigen digitalen Zeitalter sind reibungslos funktionierende Kommunikationsmöglichkeiten essentiell“, so Peter Brokenshire, General Manager des KLCC. „Aus diesem Grund stellen wir in ausgewiesenen öffentlichen Bereichen kostenlose Wi-Fi-Verbindung bereit, sowie an 18 strategisch günstigen Stellen Internet-Stationen mit Desktops.“ Um den Teilnehmern regionaler und internationaler Konferenzen auch die malaysische Kultur näher zu bringen, offeriert man im KLCC darüber hinaus ein sogenanntes „Cultural showcase“. In dessen Rahmen können sich Delegierte interaktiv und somit hautnah mit der Anfertigung von Batiken, dem Schmieden von Zinn, Korbweberei und Henna- Kunst vertraut machen und nebenbei den Klängen eines malayischen Gamelan-Orchesters lauschen. „Wir bringen somit das Erlebnis malaysischer Kultur direkt zu den Delegierten, da viele von ihnen nur begrenzte Zeit und ein meist durchstrukturiertes Konferenzprogramm haben, und somit wenig Gelegenheit, das vielseitige multikulturelle Angebot kennenzulernen“, so Peter Brokenshire weiter.

Quasi am anderen Ende des Spektrums organisiert das Centre ein jährliches „Association Seminar“ für lokale und nationale Verbände. Internationale Experten präsentieren hier unter anderem Fallstudien und erläutern, wie man sich im Wettbewerb um internationale und regionale Verbandskongresse behauptet. Zudem bietet das Seminar den verschiedenen Verbänden hervorragende Möglichkeiten zum Networking und des unmittelbaren Erfahrungsaustauschs.

„Malaysia kennen heißt Malaysia lieben“ meint Brokenshire. Aus diesem Grund hat man im KLCC einen Workshop entwickelt, der sich insbesondere an Direktoren, gehobenes Management wie auch Mitarbeiter internationaler Organisationen richtet, die ihre Veranstaltungen im KLCC durchführen. Zugelassen zu den Workshops sind die Organisatoren aller Arten von Events, seien es Kongresse, Ausstellungen, Incentives oder Firmenveranstaltungen. Sie werden im Rahmen der Veranstaltung mit der besonderen kulturellen Etikette Malaysias sowie mit den Protokollregeln für Würdenträger vertraut gemacht. Die Trainingskurse für kulturelle Etikette und Protokoll werden auf Anfrage kostenlos für Gruppen von mindestens acht Personen angeboten.

Es wird jedoch auch an der „Hardware“ des KLCC gearbeitet. Aktuell kann das Centre mit zwei Auditorien für 3.000 und 500 Personen, 9.710 Quadratmetern Ausstellungsfläche und einem Ballsaal aufwarten, der bei Dinnerbestuhlung bis zu 2.000 Gästen Platz bietet. Ergänzt wird das Angebot durch eine Banketthalle für 500 sowie eine Konferenzhalle für 1.800 Personen, 20 weitere Tagungsräume sowie 20.059 Quadratmetern Multifunktionsfläche. Dieses Angebot soll ab Anfang 2014 noch einmal deutlich erweitert werden. Auf dem ans KLCC angrenzenden Grundstück „Lot91“ werden bis Ende 2013 weitere 10.000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche entstehen. Dann wird das KLCC in der Lage sein, auch Veranstaltungen mit mehr als 6.000 Teilnehmern durchzuführen, was bedeutet, dass der Anteil des Konferenzgeschäfts am Business Mix von derzeit 25% auf 40% anwachsen wird. Zugleich schätzt man, dass sich mit dieser Maßnahme der bisherige Umsatz des Centres um 40% steigern lässt.

Parallel dazu soll die malaysische Hauptstadt im Rahmen des auf zehn Jahre angelegten „Economic Transformation Programme“ (ETP) deutlich weiterentwickelt werden. Eines der 12 ,,National Key Economic Areas“ (NKEA), die man dabei als bedeutsam für künftiges Wachstum und Entwicklung identifiziert hat, ist das „Greater Kuala Lumpur Development and Economic Transformation Programme“, Greater KL. Mit einem Budget von rund 47,4 Milliarden Euro soll Kuala Lumpur bis zum Jahr 2020 zur einzigen Metropole Asiens gemacht werden, die sowohl einen Platz unter die Top 20 in puncto Wachstum schafft, wie auch einen Platz unter den Top 20 der lebenswertesten Städte weltweit.

Im Rahmen dieses Programms werden unter anderem zwei Kilometer überdachter Fußgängerbrücken entstehen, die langfristig sogar auf eine Länge von 42 Kilometern ausgebaut werden sollen. ,,Die geplanten Fußgängerbrücken werden das KLCC mit den wichtigsten Attraktionen und Hotels der Stadt verbinden“, so Peter Brokenshire. „Sie werden Kongressgästen wie Touristen gleichermaßen eine exzellente und komfortable Möglichkeit bieten, zu ihren Hotels, zum Shopping oder zu anderen wichtigen Zielen in Kuala Lumpur zu gelangen“. Bereits im Februar dieses Jahres ist ein erster Abschnitt diese Projekts eröffnet worden, eine 142 Meter lange klimatisierte Passage, die das KLCC mit dem Impiana Hotel verbindet. Auch Letzteres expandiert übrigens derzeit. Bis Ende 2011 sollen auf 20 Stockwerken zu den 322 bestehenden Zimmern 180 weitere Einheiten entstehen.

Die Weiterentwicklung des Gebiets rund um das KLCC wird das Centre nach Meinung Peter Brokenshires noch attraktiver für regionale wie internationale Events machen. Als Beispiel für zwei kürzlich gewonnene Ausschreibungen nennt er die ,,Woman Deliver Conference 2013“ mit 3.000 Delegierten sowie den „10th Asia Pacific Congress of Allergy, Asthma and Clinical Immunology“ im Jahr 2016, zu dem 1.500 Delegierte erwartet werden. Die Teilnehmer werden dabei in einem Umkreis von zehn Minuten Fahrt die Wahl unter 16.000 Hotelzimmern haben, darunter 1.641 unmittelbar beim KLCC.

Selbstredend kann das KLCC ebenso wie andere nationale MICE-Anbieter bei der Vermarktung des Landes auf tatkräftige Unterstützung zurückgreifen. Seit 2009 übernimmt diese Aufgabe das vom Tourismusministerium etablierte ,,Malaysia Convention& Exhibition Bureau“ (MyCEB). Es soll die Marke Malaysia und dessen Stellung speziell in Hinblick auf den Geschäftsreiseverkehr und auf dem internationalen Meeting-, Incentive-, Kongress- und Ausstellungsmarkt stärken. Als Non-Profit- Organisation dient My- CEB als zentrale Anlaufstelle, die Meeting- und Eventplanern bei der Bewerbung um internationale Business Events und deren Durchführung unterstützt und als Richtungsgeber für die Produktenwicklung wirkt. Im Jahr 2010 konnte MyCEB zusammen mit seinen Partnern über 25 internationale und regionale Kongress für Malaysia gewinnen. Diese Verbands- und Firmenveranstaltungen werden in den Jahren 2011 bis 2016 über 40.000 Delegierte ins Land bringen und wirtschaftliche Effekte in Höhe von 100 Millionen Euro bewirken.

Erst vor kurzem hat MyCEB eine eigene Abteilung geschaffen, die „International Events Unit“ (IEU), die sich primär darauf konzentriert, internationale Events aus den Bereichen Sport, Kunst, Kultur oder Lifestyle zu identifizieren und bei der Bewerbung um deren Durchführung Hilfestellung zu geben. „Die Schaffung der IEU erfolgte ganz im Einklang mit dem Economic Transformation Programme, die den Geschäftstourismus und internationale Events als Schlüsselfaktoren bezeichnet, die durch die Anziehung internationaler Gäste zum nationalen Wirtschaftswachstum beitragen können“, so Zulkefli Hj Sharif, Chief Executive Officer von MyCEB. Als Teil des Tourismussektors, so wird prognostiziert, wird alleine der Bereich Internationale Events im Jahr 2020 umgerechnet über100 Millionen Euro zum Brutto-Inlandsprodukt beitragen und über 8.000 Jobs sichern.

„Die IEU wird eng mit den verschiedenen privaten und auch Regierungsinstitutionen zusammenarbeiten, darunter dem Tourismusministerium, dem Ministerium für Jugend und Sport sowie dem Ministerium für Kultur, Kunst und Geschichte, um internationale Events nach Malaysia zu holen. Das Engagement der malaysischen Regierung für die Geschäftsreiseindustrie hat unsere Position auf einem stark umkämpften Markt deutlich gestärkt. Die Schaffung der IEU ist ein positiver Schritt bei der Erreichung eines weiteren Meilensteins für unser Land“, so Zulkefli Hj Sahrif weiter. Insgesamt, so schätzt man von Seiten des Tourismusministeriums, wird der Anteil geschäftlich bedingter Ankünfte am Gesamtbesucheraufkommen in Malaysia bis zum Jahr 2020 von derzeit fünf auf acht Prozent steigen. Was bis zum genannten Zeitpunkt einen Zuwachs von aktuell 1,2 Millionen Ankünfte auf dann 2,9 Millionen bedeuten würde. KA