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Nov
22

Hamburg

Green Capital an der Elbe

Den Titel gibt es noch nicht lange. Er wird von der Europäischen Kommission in Brüssel verliehen und prämiert herausragende städtische Projekte für Klima- und Umweltschutz. 2011 konnte sich Hamburg mit dem Label Green Capital schmücken, letztes Jahr war es Stockholm.

In der öffentlichen Wahrnehmung spielte der imageträchtige Titel Europäische Umwelthauptstadt 2011 erst Mal keine Rolle. Eine von der Stadt Hamburg in Auftrag gegebene Umfrage Anfang des Jahres ergab, dass mit 56 Prozent nur gut die Hälfte der 1.000 befragten Männer und Frauen aus Hamburg und dem Umland, schon mal den Begriff Umwelthauptstadt Europas gehört oder gelesen hatten. Den Titel verleiht die Europäische Kommission in Brüssel.

Prämiert werden herausragende städtische Projekte für Klima- und Umweltschutz. Gewürdigt wurden von der Kommission die ehrgeizigen Ziele der Stadt Hamburg. Bis 2020 sollen die CO2 Emissionen um 40 und bis 2050 um 80 Prozent gesenkt werden. Seit 1990 konnte der CO2 Ausstoß immerhin schon um 15 Prozent abgesenkt werden. Die Ausstattung mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Hamburg wurde ebenfalls positiv bewertet.

An keinem Wohnort haben es die Einwohner der Stadt weiter als 300 Meter zum nächsten Bus oder zur nächsten Bahn. Eine Hauptrolle spielten auch die Gebäude – und da sprach einiges für die Elbmetropole: 18 Prozent aller deutschen Objekte in ökologischer Bauweise und versehen mit entsprechenden Zertifikaten stehen in Hamburg. Das ergibt eine Studie des Immobilienberaters Cushman & Wakefield. Übertroffen werden die Nordlichter nur von den Bayern: In München befinden sich 24 Prozent aller „grünen“ Gebäude. Die Liste umweltfreundlicher Immobilien in Europas „Green Capital 2011“ ist lang: Das neue Unilever Hauptquartier in der Hafencity und der im Umbau befindliche alte Firmensitz der Niederländer, das „Emporio“ in der Innenstadt, gehören dazu. In der Hafencity entstehen außerdem die Bürohäuser „Ericus-Kontor“, die neue Spiegel-Zentrale, das Greenpeace-Gebäude im Elbtorquartier und das „Commercial Center“. Auch die markanten Mundsburg-Tower, die derzeit umgebaut werden, gehen als grün durch. Im Wohnungsbau soll das Edelprojekt „Sophienterrassen“ auf dem einstigen Bundeswehrgelände an der Außenalster ein Gütesiegel für grüne Gebäude bekommen.

Um den begehrten Titel der Umwelt-Hauptstadt Europas hatten sich im vergangenen Herbst 35 europäische Großstädte beworben. Aus Deutschland unter anderem auch Hannover, München und Bremen, die aber bereits vor der Endrunde ausschieden. Neben Hamburg qualifizierten sich Amsterdam, Bristol, Kopenhagen, Freiburg, Münster, Oslo und Stockholm für die Endausscheidung. Für Deutschlands „Musical-Metropole“ Nummer 1 hatte die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt zusammen mit der Agentur Scholz & Friends Brand Affairs eine Bewerbung entwickelt.

In der Präsentation ging es darum zu zeigen, wie Hamburg die Herausforderungen als Großstadt und Industriestadt bewältigt. Themen wie das Airbuswerk und die Hafencity wurden als Beispiel für umweltorientiertes Industriewachstum angeführt. Auch Moorburg und der Hafen waren Bestandteil der Präsentation. Manfred Braasch, Geschäftsführer des BUND Hamburg findet die Tatsache, dass die EU-Kommission der Hansestadt den Titel „Green Capital Europe“ verliehen hat, „nicht völlig unverdient, aber wir sehen die Gefahr, dass es ein nettes PR-Jahr wird und sich am Ende substantiell nichts verbessert hat.“ Noch immer, sagt Braasch, würden in Hamburg Jahr für Jahr 200 Hektar Brach- und Grünflächen versiegelt. Und der Bau der Stadtbahn, eines der Vorzeigeprojekte, mit denen sich Hamburg für den „Green Capital“-Titel empfahl, sei in weite Ferne gerückt, nachdem sowohl die CDU als auch die SPD im Wahlkampf auf Distanz gegangen seien.

Trotzdem, die mehr als 200 Veranstaltungen und über 100 Umwelttouren anlässlich des Umwelthauptstadt-Jahres 2011 sollen dazu beitragen, das Umweltbewusstsein von vielen Menschen nachhaltig zu steigern. Zur Reduzierung des CO2-Ausstoß sollen laut Senat zum Beispiel auch Förderprogramme für energieeffiziente Gebäudesanierung und freiwillige Einsparungen der Industrie beitragen.

Auch in der Meetingbranche wird das Thema Nachhaltigkeit und aktives Umweltengagement immer wichtiger. Vor allem internationale Großkongresse und Associationmeetings werden immer öfter nach Aspekten der Nachhaltigkeit vergeben. Städte, deren Kongresszentren, Hotels und Convention Bureaus umweltfreundliche Rahmenbedingungen nachweisen können, haben hier einen Wettbewerbsvorteil. Dieses Jahr wurde das Hamburg Convention Bureau (HCB) mit dem Green Globe zertifiziert. ,,Das HCB zeigt, dass Hamburg sich auch auf dem Kongress- und Veranstaltungssektor den Namen Umwelthauptstadt Europas 2011 redlich verdient hat", freut sich Matthias Rieger, Leiter des HCB. DM