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Feb
04

Einladungen an Ärzte werden publik

Ab Jahresmitte droht Pharma-Planern Mehrarbeit und Unsicherheit

FSA-Pharmaunternehmen haben sich verpflichtet, Zuwendungen an eingeladene Ärzte ab Jahresmitte auf ihrer Webseite zu veröffentlichen, informiert Michael Grusa. (Foto: dfv)

Nach dem Verbot Geschenke an Kunden abzugeben und der Festlegung minimaler Bewirtungsgrenzen bei Kongressen, haben sich die Mitgliedsunternehmen des Vereins zur Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) bis zur Jahresmitte verpflichtet, auf ihren Webseiten jegliche Zuwendungen an Ärzte und Apotheker namentlich auszuweisen.

Immerhin repräsentiert der FSA rund 70% des deutschen Pharmaumsatzes, also handelt es sich nicht nur um eine unbedeutende Initiative. In den kommenden Wochen werden alle Ärzte und Apotheker von den Unternehmen angeschrieben, dass sie doch bitte zustimmen mögen, dass alle Zuwendungen, z.B. die Beträge für Reise- und Unterkunftskosten, die für sie im Laufe des Jahres von den Pharmafirmen übernommen werden, mit Nennung des Namens veröffentlicht werden können.

Die Idee ist in Amerika nicht neu und ein weiterer Versuch, das Image der Industrie zu verbessern. Schließlich wirft man den Unternehmen immer wieder vor, Ärzten und denen, die Medikamente verschreiben und abgeben, in unlauterer Weise Vorteile zukommen zu lassen, um ihre Umsätze zu steigern. So stehen dann teure Fortbildungsreisen zu ausländischen Kongressen in der Kritik, obwohl die Teilnehmer neuste therapeutische Erkenntnisse erhalten, die letztlich sehr dem Nutzen der Patienten zugutekommen, ohne dass Bestechungsversuche dahinterstecken. Wenn Arzt und Apotheker zustimmen, werden künftig unter ihren Namen z.B. die Reise- und Unterkunftskosten veröffentlicht. Jedermann kann folglich sehen, wo und in welchem finanziellen Umfang sich sein Arzt fortgebildet hat.

Natürlich gibt es auch Kritik, denn wohl in keiner anderen Branche ist es bisher üblich, dass Zuwendungen so unmittelbar einem Empfänger zugeordnet werden können. Die Zustimmung der Standesvertretungen der Ärzteschaft ist mit ihrer Unterstützung daher auch eher zurückhaltend. Zwar wird im Sinne der Imageverbesserung lauthals verkündet, dass "… man diese Initiative sehr unterstützt." (Bundesärztekammer), aber zugleich, wohl auch aus Furcht vor der Umsetzung bei den eigenen Mitgliedern, nach einer gesetzlichen Regelung gerufen.

Auch wenn eine hohe Zustimmungsrate der Ärzteschaft derzeit noch nicht erkennbar ist, hat die Initiative erhebliche Auswirkungen auch für Veranstaltungsorganisatoren und alle, die zum Beispiel Fortbildungsveranstaltungen für FSA-Pharmaunternehmen organisieren oder begleiten wie Kongresszentren, -hotels und Locations. Das Verzeichnis der FSA Mitgliedsunternehmen finden diese unter www.fsa-pharma.de/der-fsa/mitgliedschaft/mitgliederuebersicht.

Das Erfordernis detaillierter Aufstellung zu Reise- und Übernachtungskosten und sonstiger Kosten wird auch bei Veranstaltungsplanern einen erheblich größeren Verwaltungsaufwand nach sich ziehen. Denn letztlich ist auf Anforderung der beauftragenden Pharmaunternehmen pro teilnehmendem Arzt exakt zu belegen, ob und welche Leistung er erhalten hat. Die Möglichkeit Pauschalangebote pro Teilnehmer zu vereinbaren und abzurechnen, die oft ein sinnvolles und wirtschaftliches Steuerungselement sind, wird künftig wohl der Vergangenheit angehören. Schon heute ist erkennbar, dass das neue Prozedere mit erheblichen Verwaltungskosten verbunden ist. Darüber klagt bereits die Industrie, seit sie vor gut einem Jahr mit der technischen Umsetzung der Datenerfassung begann.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Zwar sind Veranstaltungsorganisatoren zur detaillierten Erfassung aufgefordert, wenn sie die lukrativen Fortbildungsaufträge der Pharmaindustrie nicht verlieren wollen; die erheblichen Strafen, die der FSA bis 400.000 Euro gegenüber seinen Mitgliedern verhängen kann, betreffen sie aber nicht. Michael Grusa

Michael Grusa war von 2004 bis 2012 Geschäftsführer und Spruchrichter im FSA. Heute berät er als freier Compliance-Manager Unternehmen, Verbände und Berufsgruppen. Für die dfv Mediengruppe führt er regelmäßig Compliance-Schulungen durch und schreibt diese Kolumne.

Der nächste „Compliance Day Praxistag“ findet am 26. April 2016 in Köln, im NH Köln City, statt. www.tagungsplaner.de/compliance-day