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Mär
31

Verbände

Kann der JMIC wirklich etwas bewirken?

Der JMIC – Plattform zum Informationsaustausch der verschiedenen Verbände

In einer Industrie, die gelegentlich genau so viele Organisationen wie verschiedene Sektoren zubesitzen scheint, ist die Frage, warum wir noch eine Institution brauchen, nicht ganz unberechtigt.

Ganz abgesehen davon, dass der Joint Meetings Industry Council, JMC, bereits seit mehr also 50 Jahren existiert, begrüßen wir diese Frage geradezu, denn sie trifft den Kern der Herausforderungen, mit denen sich die Tagungsindustrie heute konfrontiert sieht und für die sie einen optimalen Lösungsweg sucht.

Im Grunde genommen, unterstreicht diese Vielfalt der Branchenorganisationen die Schwierigkeiten, die wir allen Menschen bereiten, welche sich einen Reim aus dem Ganzen zu machen suchen. Unweigerlich fragt sich der Außenstehende, wie er diese perspektivische Vielfalt deuten soll und an wen er sich wenden muss, um eine allgemein gültige Antwort auf die Frage zu bekommen, worum es sich überhaupt bei dieser Branche dreht.

Wenn die Geschäfte gut laufen, ist das alles nicht so sonderlich wichtig. Unter diesen Umständen können wir mehr oder weniger machen, was wir wollen, weil es in solchen Zeiten nicht so sehr bedeutsam ist, ob jemand genau weiß, was wir machen oder nicht. Doch wenn wir uns in einer so schwierigen Situation wie der heutigen befinden, da wir unsere Bedeutung klar dokumentieren müssen, um uns erfolgreich im Wettbewerb mit anderen öffentlichen und kommunalen Prioritäten durchzusetzen, dann wird dieser Leistungsbeweis zur unbedingten Notwendigkeit. Die Ironie liegt darin, dass wir zwar diesen Zwang schon einmal vor fast zehn Jahren kurz nach den Ereignissen vom 11. September 2001 und dem darauf folgenden wirtschaftlichen Einbruch gespürt haben, doch auch dieses Mal waren wir nicht besser darauf vorbereitet als bei der letzten Weltwirtschaftskrise.

Wieso kann der JMIC hier etwas bewirken? Erstens weil wir so aufgestellt sind, dass wir Schritte unternehmen können, die sonst kein auf sich allein gestellter Branchenverband aufgrund seiner mangelnden Reichweite zu bewältigen in der Lage wäre. Und zweitens weil der JMIC, da er aus eben denjenigen Einzelverbänden besteht, das notwendige Forum bietet, um den Boden für ein gemeinsames Vorgehen zu bereiten.

Ursprünglich wurde der JMIC als Plattform ins Leben gerufen, um den verschiedenen Branchenverbänden die Möglichkeit zum Informationsaustausch zu geben. Und die längste Zeit tat er genau das. Versammlungen wurden zweimal im Jahr abgehalten, wobei die Teilnehmer im Wesentlichen über ihre eigene Tätigkeit zwecks allgemeiner Unterrichtung berichteten. Dabei wurde eine Auszeichnung entwickelt, mit der herausragende Leistungen in unserer Branche honoriert werden: Der Unity Award wird noch heute verliehen. Bereits im Jahre 2003 wurden jedoch Stimmen laut, die nach einer stärkeren Präsenz unserer Industrie riefen, um Einfluss auf Entscheidungen ausüben zu können, die unsere Zukunft betrafen. Eine Bestandsaufnahme wurde in Auftrag gegeben und ein Programm entwickelt – das Profil & Power Program – das ein gemeinsames Leitmotiv sowie gemeinsame Botschaften herausarbeitete, welche von den Mitgliedsorganisationen verwendet werden konnten, um richtungsweisende (Gesetzes-)Initiativen voranzubringen.

Es wurde auch eine neue Auszeichnung eingeführt: Der Profile and Power Award zeichnete Initiativen aus, die Auswirkungen auf das Image der Branche in verschiedenen Teilen der Welt hatten, und lenkte dabei die Aufmerksamkeit auf diese Tätigkeiten. Zu dieser Zeit ging es der Branche jedoch gut, so dass nur sehr wenige Leute es für besonders vordringlich hielten, das Bewusstsein eines breiteren Publikums für die Bedeutung der Meetingindustrie zu schärfen. Dann aber mit dem Ausbruch der Finanzkrise wurden Meetings als wirtschaftlich sinnvolle Investition zunehmend in Frage gestellt. So sahen wir uns noch einmal in Gefahr, wobei wiederum die gleichen Fragen seitens unserer Kollegen gestellt wurden: Wie sollten wir auf diese Bedrohung reagieren, und wie könnten Verbände wie der JMIC eine nützlichere Rolle dabei spielen? Tatsache ist, dass die Rolle eines aus vielen Mitgliedsorganisationen bestehenden Beirats wie des JMIC immer durch den Umstand eingeschränkt sein wird, dass er keine eigenständige Autorität besitzt sondern auf die Zustimmung seiner Mitglieder sowohl hinsichtlich der von ihm unternommenen Aktivitäten als auch der dafür notwendigen finanziellen Mittel angewiesen ist. Aus diesem Grund gibt es fünf Rollen, die ein Beirat wie der JMIC realistischerweise ausüben kann. Diese sind somit zu den Prioritäten unseres Programms geworden:

Erstens kann man als kollektives Sprachrohr der Industrie fungieren, wann auch immer das erforderlich wird. Das mag zwar selbstverständlich klingen, doch liegt es in der Natur unseres Geschäfts, dass Außenstehende dadurch sehr verwirrt werden können, wenn sie unter vielen verschiedenen Stimmführern zu wählen haben und es für sie nicht klar ersichtlich ist, wer für welches Thema zuständig ist und ob die Fragen, die sie stellen, möglicherweise aus nur einer Sichtweise anstatt aus einer Gesamtperspektive beantwortet werden. Die Fähigkeit, eine konsensuelle Meinung zu äußern, wenn es notwendig wird, stärkt alle Teile unserer Branche, da es uns zu einer schlüssigeren und konsistenteren Kraft im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren macht.

Zweitens können wir das Bewusstsein der verschiedenen Organisationen unserer Branche füreinander erhöhen und die Interaktion zwischen ihnen verstärken. Wir können Einrichtungen und Foren schaffen, die den Austausch nicht nur von Informationen und Know-how sondern auch von Erfahrungen im Bereich der Weiterbildung und Forschung beispielsweise fördern. Dadurch, dass wir Bescheid wissen über das, was alle anderen in der Branche machen, und Zugang zu den Ergebnissen ihrer Aktivitäten haben, sind wir alle besser informiert. Darüber hinauswirkt dies möglicherweise effizienzsteigernd, indem es dazu beiträgt, Doppelarbeit zu vermeiden und eine engere Zusammenarbeit fördert.

Drittens können wir das notwendige Material zusammentragen und zur Verfügung stellen, um unseren Kollegen zu helfen, ihre eigene Initiativarbeit zu betreiben. Uns allen ist bewusst, dass bei allem was wir auf nationaler bzw. internationaler Ebene unternehmen, die Auswirkungen am stärksten vor Ort zu spüren sind, denn gerade auf lokaler Ebene haben Aspekte wie wirtschaftliche Weiterentwicklung, Arbeitsplatzbeschaffung sowie etwaige durch unserer Branche neu generierte Einnahmequellen die größte Bedeutung. Die allerwenigsten unter uns sind jedoch in der Lage, die dafür notwendigen Argumente allein herauszuarbeiten, geschweige denn die erforderlichen Unterlagen zusammenzustellen, die zur wirkungsvollen und überzeugenden Öffentlichkeitsarbeit benötigt werden. Indem wir diese Unterlagen entwickeln und diejenigen Materialien weitergeben, die sich in verschiedenen Teilen der Welt erfolgreich bewährt haben, wird es umso wahrscheinlicher, dass Einzelne die Initiative ergreifen werden, um die Wertstellung, die unsere Branche in ihrem eigenen Wirkungskreis genießt, zu steigern.

Viertens können wir uns den Bereichen widmen, die wir zur Herausstellung unseres Leistungsanspruchs brauchen, und uns dabei mit noch besseren und klarer umrissenen Argumenten wappnen. Als entscheidenden, wenn auch schwer zu fassenden Bereich haben wir in diesem Zusammenhang die Quantifizierung des Mehrwertes identifiziert, der bei einem Meeting durch den zusätzlich erzeugten Nutzen entsteht, wenn berufliche, wirtschaftliche, geschäftliche, bildungsforschungsrelevante oder kulturelle Ziele erfolgreich in die Tat umgesetzt werden.

Das sind die tatsächlichenGründe für Meetings. Dass wir dennoch kaum darübersprechen, liegt ganz einfach daran, dass sie sich nur sehr schwer unmittelbar messen lassen. Doch in Zeiten, in denen Staaten weltweit ihre Investitionsprioritäten sehr genau abwägen (müssen), sind es gerade solche Argumente, die am überzeugendsten wirken. Diese Argumente aufzugreifen, muss daher eine Priorität für unsere Branche und eine wichtige Rolle für ein Branchensprachrohr wie den JMIC sein.

Schließlich können wir aktiv Zusammentreffen organisieren und veranstalten, welche die Integrität der Branche dokumentieren und ihre Fähigkeit unterstreichen, bei wichtigen Fragen so zusammenzuarbeiten, dass die Aufmerksamkeit der Außenwelt eindringlich auf das Thema gelenkt wird. Dabei können wir der Öffentlichkeit vermitteln, wofür die Meetingindustrie steht, wie sie ihre Verantwortung wahrnimmt und welchen Beitrag sie für die Weltwirtschaft leistet, während wir auch gleichzeitig Solidarität unter den verschiedenen Teilbereichen unseres Wirtschaftssektors demonstrieren.

Das ist eine Riesenaufgabe, die nicht über Nacht zu lösen ist. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die kollektiven Energien unserer vielfältigen Brancheneinrichtungen so zu bündeln, dass wir wirkungsvoll zur Schau tragen, dass wir tatsächlich eine Branche sind, und unsere Errungenschaften so dokumentieren und präsentieren, wie es keiner Einzelorganisation im Alleingang möglich wäre. Um das zu erreichen, brauchen wir die volle, ausdrückliche Unterstützung der Wirkenden in unseren Mitgliedsverbänden. Gleichzeitig muss auch sichergestellt werden, dass wir uns in die bestehenden Verbandsaktivitäten integrieren und deren Anwendbarkeit erweitern, anstatt bloß neue Großprogramme ins Rollen zu bringen, die dann mit den bereits bestehenden Brancheneinrichtungen auf Gebieten konkurrieren würden, in denen diese schon fest etabliert sind.

Die ultimative Bewährungsprobe eines Wirtschaftszweigs besteht darin, ob er seine individuellen Perspektiven solange zurückstellen kann, um Einheit zu demonstrieren, wenn es darauf ankommt. Als Tagungsindustrie werden wir nun vor gerade diese Probe gestellt. Von unserem Erfolg oder Misserfolg wird abhängen, wie wir auf lange Zeit von der Welt außerhalb unserer Branche gesehen werden.

Von Leigh Harry – Präsident des JMIC