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Mär
31

AIPC Liverpool

Vorsichtiger Optimismus

AIPC Liverpool

Tummelplatz für Touristen: Das Hafenviertel am Albert Dock

Vom 3. bis zum 7. Juli fand in Liverpool der Jahreskongress des internationalen Verbands der Kongresszentren statt. Die Stimmung der Teilnehmer der Association Internationale des Palais de Congres (AIPC) war nach dem Krisenjahr 2009 vorsichtig optimistisch.

Die „Krise ist noch nicht überstanden“, hatte AIPC-Präsident Edgar Hirt zur Eröffnung des internationalen Verbandskongresses erklärt, „aber die Anzeichen für eine ökonomische Erholung nehmen zu“. 166 Mitglieder in 53 Ländern hat die Association Internationale des Palais de Congrès (AIPC) inzwischen. 132 Delegierte und 51 Partner nahmen an dem Jahreskongress teil. Michael Hughes, Managing Director des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens ‘Red7 Media’ stellte ihnen in Liverpool eine Hochrechnung vor, die weltweit eine steigende Anzahl von Kongressteilnehmern und größere Umsätze voraussagt. Die Studie stützt die Prognose, dass die Branche jetzt wieder einer relativ freundlichen, stabilen Großwetterlage entgegen blickt.

Anfang des Jahres waren die Prognosen noch deutlich düsterer. 1.832 Meeting, Incentive, Congress und Event Professionals (MICE) wurden weltweit für die Studie Future Watch 2010 befragt. Die größte Umfrage ihrer Art hatte schon 2009 zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht nur eine sinkende Anzahl von Meetings, sondern auch schrumpfende Budgets prognostiziert. 2010 erhärtete die Studie dann den Trend. Sowohl die 967 befragten Planer als auch die 813 Anbieter rechneten erst Mal mit einem härter werdenden Preiswettbewerb, sinkenden Teilnehmerzahlen und Budgetreduzierungen.

Auch in Deutschland ist die Meetings-Industrie letztes Jahr von der Wirtschaftskrise voll erwischt worden, so das Ergebnis des Meeting- & Event-Barometer, das während der IMEX im Mai diesen Jahres präsentiert wurde. Wichtigstes Ergebnis der Studie: Aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise gingen Geschäftsreisen um acht Prozent zurück. Dabei verzeichneten die traditionellen Geschäftsreisen (Gesamtanteil an den Geschäftsreisen von 53 Prozent) nur ein relativ moderates Minus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während die promotablen Geschäftsreisen zu Kongressen, Tagungen und Events sowie zu Messen und Ausstellungen um zwölf Prozent einbrachen.

Die unterschiedlichen Anbietergruppen waren davon verschieden stark betroffen. So sank die Zahl der Veranstaltungen in den Kongresszentren nur leicht um1,5 Prozent, während Eventlocations einen Rückgang um 5,3 Prozent verbuchten und Tagungshotels einen Einbruch von 14,9 Prozent verkraften mussten.

Die Gründe dafür lagen vor allem in den Veranstaltungsgrößen: 2009 wurden kleinere Veranstaltungen mit bis zu 100 Teilnehmern, die insgesamt rund drei Viertel der Veranstaltungen in Deutschland ausmachen, oft abgesagt. Größere Veranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmern dagegen wuchsen etwas. Von dieser Entwicklung profitierten am meisten Kongresszentren, die am häufigsten für Großevents gebucht werden. Sie registrierten letztes Jahr trotz leicht gesunkener Anzahl von Kongressen, Kulturevents oder Jubiläen einen leichten Zuwachs an Besuchern. Stabilisierendes Element sind dabei vor allem die internationalen Veranstaltungen (mit einem Anteil ausländischer Besucher von mindestens zehn Prozent): Ihnen sagen rund 80 Prozent der Anbieter und 90 Prozent der Veranstalter in Zukunft eine gleich bleibende oder steigende Bedeutung voraus.

Auch der ITB World Travel Travel Trends Report, der von der ITB Berlin beim Beratungsunternehmen IPK International in Auftrag gegeben wurde, stellte im März diesen Jahres fest, dass in den letzten acht Monaten des vergangenen Jahres das Volumen von Geschäftsreisen global um sieben Prozent zurück ging. Gleichzeitig war aber damals schon die Mehrheit der MICE-Professionals davon überzeugt, dass die Branchenkonjunktur in der zweiten Jahreshälfte wieder Fahrt aufnimmt.

Die meisten Meeting-Planer rechneten dieses Jahr wieder mit deutlichem Wachstum, glaubt auch Martin Sirk, CEO der International Congressand Convention Association (ICCA). Verantwortlich dafür seien, so der Chef des Weltverbandes, der ständig wachsende Meetingbedarf in Informationsgesellschaften und die kontinuierlich fortschreitende Globalisierung.

Liverpool war als Kongressstandort für ein ökonomisches Comeback der Meetings-Industrie nach der schwersten Finanzkrise nach dem Zweiten Weltkrieg eine gute Wahl. Denn über Jahrzehnte hinweg war Liverpool das Synonym für Krise. Das lange Sterben der nordwestenglischen Hafenstadt hatte bereits in den frühen Fünfzigern begonnen. Zuerst verschwanden die Arbeitsplätze im Hafen. Der einst größte Handelshafen Großbritanniens ist heute nur noch ein mittelprächtiger Containerhafen. Dann starben die Werften. Was blieb, waren trostlose, heruntergekommene Arbeiterviertel, eine bankrotte Stadt in Agonie, die der Strukturwandel unvorbereitet getroffen hatte.

2008 erlebte die Arbeiterstadt dann eine triumphale Wiedergeburt: Liverpool, die Heimat der Beatles, wurde Europas Kulturhauptstadt. Was folgte war die Regeneration ganzer Stadtbezirke: Ein Tummelplatz für Touristen ist das einst verfallene und inzwischen neu gestaltete Hafenviertel am Albert Dock, benannt nach dem deutschen Ehemann von Queen Victoria, der es einst eingeweiht hat.

Im Albert Dock gleich neben der nagelneuen Konzert- und Sporthalle Liverpool Arena mit 10.000 Plätzen lädt die Kunstgalerie Tate Liverpool - ein Ableger der Tate London - zu ausgiebigen Besuchen ein. Restaurants, Hotels und Bars ziehen Tausende an. Zur Wiege der Beatmusik gehört der Cavern Club in der Matthew Street, dessen Besucher am 25. Mai 1960 die erste „Beat Night“ erlebten, und zwar mit Rory Storm and the Hurricans, deren Drummer ein gewisser Ringo Starr war. Hier spielten Bands, die später legendär wurden: die Rolling Stones, die Kinks, The Who, ganz zu schweigen von den Beatles.

Hoch über dieser Stadt thronen zwei kupferne „Liver Birds“. Die Wappenvögel, die wie Kreuzungen aus Kormoran, Adler und Greif wirken, zieren auch die roten Trikots ihres berühmtesten Fußballklubs. Vom Atlantik her weht über die Irische See und den Mersey-Fluss eine salzige Brise. „Diesen Ort haben Menschen auf der ganzen Welt im Ohr“, beteuern Stadtführer. Die Stadthymne schrieben Gerry & The Pacemakers mit „Ferry Cross the Mersey”. Nichts passt besser zur Überfahrt mit der Fähre über den Mersey mit dem Blick auf Liverpools Hafenskyline und seine zwei alles überragende Kathedralen, alsd ieser Ohrwurm von 1964. Er ist ein Klassiker des Merseybeat. Vor allem aber kamen Touristen lange Zeit wegen der Beatles hierher. Auch das Beatles-Museum liegt am historischen Albert Dock am Mersey, wo man eine Fahrkarte für die „Magical Mystery Tour“ bucht, den Bus besteigt – und nach wenigen Minuten in einer anderen Welt ist. Die fünf Lagerhäuser beherbergen heute auch andere Museen, Galerien, Restaurants, Bars und Läden. Kultur war für das ökonomische Comeback der überragende Faktor. Sehr aufmerksam hatte man in Liverpool verfolgt, wie sich in der Vergangenheit das schottische Glasgow – Europas Kulturhauptstadt 1990 – vom Armenhaus der Insel in eine moderne, attraktive und ökonomisch erfolgreiche Metropole verwandelt hatte. Sogar Erzrivalin Manchester, selbst für viele Jahre ein Synonym für Untergang, hat sich mit einer inspirierten Mischung aus aktiver Sportpolitik, gezielter Förderung von Klassik und Popkultur, von Zukunftsindustrien, Forschung und Lehre nicht nur achtbar vor dem Niedergang gerettet, sondern sich mittlerweile als glitzernde Metropole von Rang etablieren können. Jetzt ist Liverpool nach London bereits die Stadt mit dem zweitgrößten Kunstangebot im britischen Königreich.

Außerdem verfügt die Stadt am Mersey-Fluss mit dem ACC über eines der größten Kongresscenter Großbritanniens. Das multifunktionale Arena Convention Center bietet Platz für bis zu 1.350 Delegierte. Mittels zwei rotierender Trommeln kann der große Saal in drei separate, unabhängige Räume unterteilt werden und bietet dann zwei Mal 250 bzw. 850 Plätze. Veranstaltern stehen zudem 18 Breakout-Räume mit Kapazitäten zwischen 10 und 500 Plätzen zur Verfügung.
DM