Interview mit Steffen Ronft: Eventpsychologie...
Interview mit Steffen Ronft

Eventpsychologie zur Optimierung von Veranstaltungen nutzen

Steffen Ronft

Steffen Ronft, Dozent für Marketing und Eventpsychologie an der SRH Fernhochschule – The Mobile University und Herausgeber des ersten Grundlagenwerks zur Eventpsychologie erklärt im Interview für die aktuelle Ausgabe der tw tagungswirtschaft, wie Eventpsychologie Veranstaltungen positiv beeinflussen kann.



tw tagungswirtschaft: Was sollten Veranstalter über die Psyche des Menschen wissen, wenn sie beispielsweise eine Konferenz planen?

Der Erfolg einer Veranstaltung aus Sicht des Teilnehmenden bemisst sich an seinen Erwartungen. Daher ist es aus Veranstaltersicht wichtig, zu verstehen, welche Bedürfnisse die Teilnehmenden haben und welche Erwartungen daraus entstehen. Bei einer Konferenz würde ich von einem Bedürfnis nach Information und Austausch ausgehen. Darauf aufbauend stellt sich die Frage, wie ich diese Bedürfnisse befriedigen kann. Aus der differentiellen Psychologie gilt es außerdem, die verschiedenen Persönlichkeitszüge zu betrachten – wie: Welche Position üben meine Teilnehmenden in ihrem beruflichen Alltag aus? Bei einer Tagung mit eher extrovertierten Führungspersönlichkeiten sollte ich andere Formate als bei eher introvertierten Sachbearbeiter:innen einsetzen. Bei jüngeren Menschen ist ein höheres Mitteilungsbedürfnis über soziale Medien wie Instagram zu berücksichtigen.
„Der Networking-Aspekt [ist] gegenüber der reinen Informationsvermittlung deutlich stärker in den Vordergrund gerückt.“
Steffen Ronft

tw tagungswirtschaft: Für Sie sind die Besucherinnen und Besucher die entscheidende Determinante. Hat sich ihre Erwartung an Business-Events durch die Pandemie verändert?
Ja, davon ist auszugehen. Wenn ich anreise, erwarte ich einen eindeutigen Mehrwert gegenüber einer digitalen Teilnahme. In Gesprächen nehme ich wahr, dass die reine Informationsvermittlung nicht mehr Anreiz genug ist. Es ist zu beobachten, dass der Networking-Aspekt gegenüber der reinen Informationsvermittlung deutlich stärker in den Vordergrund gerückt ist. Daraus ergeben sich neue, formatübergreifende Konzepte. So kann bei einer Mitarbeiterveranstaltung eine Präsentation der Quartalszahlen durch die Geschäftsführung hybrid erfolgen und für die anwesenden Mitarbeiter:innen ein lokales Abendevent stattfinden.

Was im Kopf der Teilnehmer:innen bei Präzenz oder Digitalevents vorgeht, wie Menschen auf hybriden Konferenzen in Verbindung kommen und welche psychologischen Aspekte für die Preisgestaltung bei Events wichtig sind, lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe.
Hier geht's zum ganzen Interview

© Kindernothilfe, Ralf Krämer

Eventpsychologie
Die stetige Erforschung der menschlichen Psyche ermöglicht es, auf umfangreiches bestehendes Wissen zurückzugreifen. Dieses Wissen kann für die Optimierung von Veranstaltungen genutzt werden. So können verschiedene psychologische und neurologische Erkenntnisse in das Eventmanagement transferiert werden, um die Wahrnehmung, kognitive und affektive Informationsverarbeitung sowie das Verhalten von Eventbesuchenden und weiteren Beteiligten positiv zu beeinflussen.
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