#persönlich im Januar 2022 : „Es nervt mich, ...
#persönlich im Januar 2022

„Es nervt mich, meine Community über den Bildschirm zu treffen“

Foto: DGN, Christian Staaden
Aktuell beschäftigt David Friedrich-Schmidt die Frage: Wann wird´s denn endemisch?
Aktuell beschäftigt David Friedrich-Schmidt die Frage: Wann wird´s denn endemisch?

Nach einem Votum auf LinkedIn startet die neue Interview-Reihe #persönlich im Januar mit David Friedrich-Schmidt. Friedrich-Schmidt kommt aus dem Kongressmanagement und führt seit 1. Januar 2022 die Geschäfte der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). In der Pandemie ist er von seiner eigenen Anpassungsfähigkeit und der seines Umfelds überwältigt, sieht die Corona-Krise als Innovationsbeschleuniger, vermisst Klatsch & Tratsch und wünscht sich den Kongress-Kongress.


Kerstin Wünsch: Wie geht es Ihnen?
David Friedrich-Schmidt:
Mir geht es sehr gut! Die ersten Tage waren aufgrund meiner neuen Position ein wenig turbulent, aber nun ruckelt sich alles zurecht und ich habe – um es mit den Worten der Alt-Kanzlerin Angela Merkel zu sagen – Fröhlichkeit im Herzen.

Welche Nachricht oder Neuigkeit beschäftigt Sie aktuell?
Aktuell beschäftigt mich eine Frage: Wann wird´s denn endemisch? Ich habe große Hoffnung, und irgendwie sehe ich einen Silberstreif am Horizont. Auch wenn das bedeutet, dass sich im Moment sehr viele Menschen mit der Omikron-Variante anstecken werden mit hoffentlich sehr milden Verläufen.

Mit welcher Herausforderung kämpfen Sie gerade?
Die DGN arbeitet gerade an einem neuen digitalen, sehr innovativen Produkt für ihre Mitglieder. Das Konzept steht. Jetzt geht es darum unseren technischen Partner, der das Projekt für uns umsetzen wird, druckzubetanken. Da trifft Kreativität auf technisch Machbares und Sinnvolles, was eine gewisse Kompromissfähigkeit voraussetzt. In diesem Zusammenhang richten wir parallel ein Greenwall-Studio in unserer Geschäftsstelle ein, um schnell Bewegtbilder zu produzieren. Und auch wir leiden unter den Lieferproblemen, gerade bei technischem Equipment, so dass die Einrichtung gerade etwas hakt. Für einen chronisch ungeduldigen Menschen wie mich eine wahre Challenge…

(Über-)Leben mit Covid-19: Was ist Ihr größtes Learning?
Ich bin von meiner und der Anpassungsfähigkeit meines Umfelds immer noch überwältigt. Es ist doch faszinierend, in welchem Tempo und mit welcher Kreativität wir Menschen uns auf neue Situationen einlassen und diese bewältigen. Irre, diese Beweglichkeit bei überwiegend vielen Menschen. Ansonsten versuche ich entspannt zu bleiben und nicht in Aktionismus zu verfallen. Meistens sieht man die Dinge 24 Stunden später etwas klarer, so dass sich dann eine gute Lösung findet.

Woher nehmen Sie Ihre Kraft?
Kater streicheln, Joggen gehen, Badminton spielen, Fahrrad fahren, ausgiebige Spaziergänge, gute Gespräche bei gutem Essen, viel Lachen und am Wochenende ausschlafen.

Welche Chancen sehen Sie in der Corona-Krise?
Sie war gerade für die Veranstaltungswirtschaft Innovationsbeschleuniger. Vor der Pandemie haben wir z. B. immer über hybride Veranstaltungen geredet, eigentlich eher schwadroniert, und es war immer theoretisch. Schwups, auf einmal geht’s, und die meisten Rezipienten finden es gut. Wir können im Ergebnis mehr Menschen erreichen. Wir müssen es nur gut machen, da trennt sich gerade die Spreu vom Weizen. Das gute an der Krise ist ja, dass man was ausprobieren und auch mal scheitern oder daneben liegen konnte. Ganz ohne Häme, weil jeder sich und sein jeweiliges Business neu erfinden und denken musste. Keiner hatte den einen Masterplan in der Tasche. Ich empfand das sehr erfrischend und belebend. 
„Das gute an der Krise ist ja, dass man was ausprobieren und auch mal scheitern oder daneben liegen konnte.“
David Friedrich-Schmidt, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)

Braucht die (Business-)Welt die persönliche Begegnung auf Kongressen und Messen oder reicht der Bildschirm?
Der Bildschirm reicht ganz und gar nicht. Ich bin da auch echt müde geworden und nehme kaum noch diesbezügliche Angebote an. Es nervt mich, meine Community über den Bildschirm zu treffen, bei Chats aufzupassen, dass ich eine private Nachricht nicht aus Versehen im Gruppenchat absetze oder Sorge haben zu müssen, dass das Mikro noch an ist, während ich mit meinem Mann die Einkaufsliste bespreche. Netzwerken, Diskutieren, Klatsch & Tratsch, Lästern, Lachen, sich Drücken; all das geht online nur sehr eingeschränkt oder schlicht gar nicht. Seien wir ehrlich, das sind ja auch Argumente für einen Kongress- oder Messebesuch. Nebenbei sind diese Zusammenkünfte die besten Jobbörsen. Wo sich Videokonferenzen bewährt haben und auch bleiben werden, sind Meetings von zwei bis drei Stunden mit kleinen Gruppen, für die man sich früher in die Bahn, das Auto oder sogar das Flugzeug gesetzt hat.

Eine Fee kommt vorbei, und Sie dürfen sich eine Konferenz wünschen. Wie sähe diese aus?
Das wäre dann der Kongress-Kongress. Eine Veranstaltung, bei der es nur um wissenschaftliche Kongresse geht, mit Teilnehmenden und Experten die wirklich davon Ahnung haben. Weil Kongress eben kein Corporate Event oder eine Messe ist. Da wird mir immer zu viel zusammen gemischt. Auf so eine fokussierte Konferenz hätte ich Lust. Wer noch? :-)

Welche Frage fehlt Ihnen?
Wenn Sie ein Tag Bundeskanzler wären, was würden Sie als erstes ändern?

Wessen Antworten möchten Sie hier als nächstes lesen?
Die von der Vorstandsvorsitzenden des media:net berlinbrandenburg Jeannine Koch. Wir sitzen zusammen im Thought Leader Panel vom German Convention Bureau. Sie ist streitbar, innovativ und ich tausche mich einfach sehr gern mit ihr aus. Vor allen Dingen kann man mir ihr herrlich lachen und sie kann als Berlinerin etwas, um was ich sie als Berliner sehr beneide: Sie spricht hochdeutsch.
Wer ist David Friedrich-Schmidt?
David Friedrich-Schmidt ist seit 1. Januar 2022 Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Seit Ende der 1990er Jahre arbeitete er im Kongress- und Veranstaltungsmanagement. Erst im Bereich Location-, Key Account- und Projektmanagement, u.a. für das bcc Berlin Congress Center und das Grand Hotel Heiligendamm, später in der Organisation medizinischer Fachkongresse. Seit 2012 war Friedrich-Schmidt für die Kongresse der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zuständig und wechselte 2013 direkt zur Fachgesellschaft. Seit 2018 verantworte er als Leiter Projekte & Administration die operativen Tätigkeiten der DGN. Zum 1. Januar 2022 hat der Betriebswirt die Geschäftsführung der Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) übernommen, die als wissenschaftliche Fachgesellschaft mit 11.000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland sichern und verbessern will.

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