#persönlich im März: „Die Solidarität gibt mi...
#persönlich im März

„Die Solidarität gibt mir Hoffnung!“

Foto: Factory Berlin
Martin Eyerer, CEO der Factory Berlin und Co-Founder der Riverside Studios in Berlin
Martin Eyerer, CEO der Factory Berlin und Co-Founder der Riverside Studios in Berlin

Martin Eyerer, CEO der Factory Berlin, Co-Founder der Riverside Studios in Berlin, DJ und Musiker spricht in unserer Interview-Reihe #persönlich im März über die Produktkomponente Netzwerk, Eventformate als Superstärke, seinen Schaffensdrang und sein Erfolgskonzept. Nominiert hatte ihn im Februar Jeannine Koch.

tw tagungswirtschaft: Wie geht es Ihnen?
Martin Eyerer: Mir persönlich geht es gut, soweit man das mit Blick auf die aktuelle geopolitische Lage eben sagen kann. Aber gerade diese führt einem ja vor Augen, wie gut es uns in Deutschland auch in einer Pandemie und trotz aller möglichen drohenden Szenarien geht. Die letzten zwei Jahre waren sehr intensiv und herausfordernd. Die Factory Berlin und die Riverside Studios hatten früher einen relevanten Umsatzanteil, der durch das Event-Business generiert wurde und der ausfiel. Als Team haben wir es hinbekommen, in beiden Unternehmen eine strategische Anpassung umzusetzen. Vor allem in der Factory Berlin war das für das Team keine einfache Sache. Es ist toll, mit anzusehen, wie alle trotz großer Einschnitte mitgezogen haben. Das hat zum Erfolg geführt: Wir haben die Factory Berlin mit ihren mittlerweile rund 5.000 Members nicht nur als Space zu einem erfolgreichen Produkt gemacht, sondern eine neue echte Produktkomponente etabliert – das Netzwerk.

Welche Nachricht oder Neuigkeit beschäftigt Sie aktuell?
Man kommt nicht umhin, die wirtschaftliche Lage mit Sorge zu betrachten. Keiner kann vorhersagen, ob sich daraus eine echte wirtschaftliche Krise entwickelt und welche Folgen das für unser Geschäft haben wird. Ich glaube, dass gerade Krisen auch große Chancen bergen, und dass wir in der Factory Berlin mit unserem Zugang zu Fachkräften aus diversen Branchen, Start-ups und Innovation genau das sind, was die Unternehmen verstärkt in der Krise brauchen. Wir alle hoffen natürlich auf ein schnelles Ende des Krieges in der Ukraine und sind mit unseren Gedanken bei den vielen Menschen, die darunter leiden. Die Solidarität, das Engagement und die Hilfsbereitschaft in Deutschland, in Europa und in unserer Factory-Berlin-Community sind spürbar und sehr motivierend. Das gibt mir Hoffnung!

Sie sind CEO der Factory Berlin und Co-Founder der Riverside Studios. Was stelle ich mir darunter vor?
Beide Unternehmen haben den Ansatz, in Räumen eine Community oder auch ein Ökosystem zu betreiben; die Riverside Studios in der Kreativwirtschaft, die Factory Berlin in der Digitalwirtschaft. Bei der Factory Berlin geht es darum, unseren 5.000 Community Members, die sich aus gut 150 Start-ups, 2.000 Freelancer:innen und Solopreneur:innen, aus Großunternehmen und anderen Partner:innen aus Bildung, Wirtschaft, Technologie, Kunst und Musikbranche und Politiklandschaft beworben haben, ein Netzwerk zu geben. Damit zwischen ihnen eine vertrauensvolle Basis zur Zusammenarbeit und der Nutzung des Netzwerkes entsteht, spielen hier unsere 30.000 qm die Schlüsselrolle, wo wir unsere drei Campusse in Berlin und Hamburg betreiben. Wir bieten Events und Räume zum Austausch, zur Begegnung und zum Zusammenkommen, zur Inspiration und Zusammenarbeit.

In den Riverside Studios bieten wir 60 festen Künstler:innen, Songwriters und Produzent:innen die Möglichkeit, als fester Bestandteil der Community einen Studioraum zu nutzen. Wir haben 27 Tonstudios in Kreuzberg am Schlesischen Tor gebaut. Auch hier gibt es Events und diverse Formate, die den Mehrwert der Studios ausmachen. In den letzten Jahren haben wir uns stark erweitert und bieten auch anderen Akteur:innen der Kreativwirtschaft unsere Räume und unser Netzwerk an. Wir haben z. B. die Berlin Music Commission bei uns und einige Firmen aus der Musik-Tech-Branche. Musikverlage und sogar Unternehmen aus neuen Bereichen wie KI und Musik oder Game Sound Implementation sind mittlerweile dabei. Wir betreiben direkt an der Spree 3.000 qm in den Wissingerhöfen.
„Um ein Netzwerk erfolgreich zu betreiben, ist es erforderlich, vertrauensvolle Beziehungen untereinander zu schaffen.“
Martin Eyerer, CEO der Factory Berlin, Co-Founder der Riverside Studios in Berlin

Was treibt Sie an?
Ich bin schnell für neue Dinge zu begeistern. Neues zu schaffen und Menschen zusammenzubringen, ist das, was mir nicht nur Freude bereitet – ich denke, ich bin darin auch ganz gut. Dinge umzusetzen, ist mir sehr wichtig. Es gibt dann nichts Schöneres, ein Teil eines Teams zu sein, das erfolgreich etwas geschaffen hat.

Den Menschen steckt noch die Pandemie in den Knochen, da erklärt der russische Präsident Wladimir Putin der Ukraine den Krieg. Woher nehmen Sie Ihre Kraft?
Meine Familie ist mir sehr wichtig. Ich mache aber auch regelmäßig Sport. Außerdem ist das Musik produzieren – auch wenn es in den letzten beiden Jahren sehr kurz kam –eine Inspiration für mich. Vor der Pandemie waren meine vielen Auslandsreisen mit den Auftritten eine sehr wichtige Quelle von Motivation. Das vermisse ich! Ich kann mich sehr gut an meine Kindheit in den 80er-Jahren erinnern. Da hatten wir diese ständige Angst vor dem dritten Weltkrieg und einem Atomkrieg generell als Begleiter. Ich denke, das hilft mir heutzutage, damit besser umzugehen. Ich bin aber auch generell ein unverbesserlicher Optimist!

Mit welcher Herausforderung kämpfen Sie gerade?
Verschiedene Dinge unter einen Hut zu bekommen. Der Nachteil an meiner Neugier und dem Drang nach neuen Herausforderungen ist, dass es viele Bälle gibt, die ich in der Luft halte. Ich versuche momentan, mich hier mehr zu fokussieren. Das bedeutet, dass ich auch mal einen Ball fallen lassen und eine Chance liegen lassen muss. Das fällt mir nicht leicht, ist aber vonnöten :-)

Die Factory Berlin eint Kreative aus der Tech-, Kreativ- und Unternehmensszene. Brauchen diese die persönliche Begegnung auf Events oder reicht der Bildschirm?
Wir in der Factory Berlin – und ich persönlich – glauben sehr stark an persönliche Begegnungen. Um ein Netzwerk erfolgreich zu betreiben und für die Einzelnen einen echten Mehrwert zu schaffen, ist es erforderlich, vertrauensvolle Beziehungen untereinander zu schaffen. Hier ist es unabdingbar, sich auch persönlich zu treffen und auszutauschen. Unsere Eventformate sind eine unserer Superstärken. Wir laden nicht nur spannende Keynote-Speaker:innen ein, sondern vermitteln auch Mentor:innen, Fachtagungen und viele Community-Events mehr. Manchmal ist es auch ein ausgelassenes Feiern, um sich besser kennenzulernen. Genau das macht die Factory Berlin aus, und wir warten alle darauf, dass das wieder so richtig losgeht. Wir hatten vor der Pandemie bis zu 400 Events im Jahr, das bedeutet ein Management von manchmal mehreren Events an einem Tag. Dann kann man auch den Austausch am Bildschirm haben. Es ist der Mix, der für uns der richtige Weg ist.

Wenn Sie sich einen Kongress wünschen könnten und Thema und Format frei wären. Wie sähe dieser aus?
Das Schöne an meiner Position ist, dass ich das umsetzen kann, was ich mir wünsche. Zumindest, wenn es um solch ein Thema geht. Als ich 2018 in der Factory Berlin anfing, habe ich als Erstes ein Festival angeregt. Das haben wir erfolgreich mit den Techno Türken Kreuzberg zum Ersten Mai umgesetzt. Wir hatten 15.000 Menschen in und vor der Factory Görlitzer Park. Dass Feiern und Zusammenarbeit zusammen gehören, das hat dann auch die Skeptiker:innen überzeugt. Das war einer der Gründe, warum mich Udo Schloemer, der Gründer der Factory Berlin, holte. Udo hat viele Visionen und setzt diese erfolgreich um. Trotz oder gerade eines Risikos des Scheiterns. Dass wir in die Factory Berlin noch mehr Kunst und Musik einbringen, war sofort unser Gedanke, als wir uns kennengelernt haben.

Welche Frage fehlt Ihnen?
Die folgende Frage fehlt mir nicht, aber ich würde sie als Ergänzung mit einer kurzen und knappen Antwort hinzunehmen: Was ist mein Erfolgsrezept?
  1. Immer dranbleiben, niemals aufgeben;
  2. Ins Netzwerk denken;
  3. Offen sein für Veränderung.

Wessen Antworten möchten Sie hier als Nächstes lesen?
Von Daniel Zacharias. Daniel hat mit 14 Jahren sein Software-Unternehmen gegründet und ist heute mit 22 CEO und Founder der größten Plattform für Schüler:innen in Deutschland. Kerstin Wünsch

Wer ist Martin Eyerer?
Martin Eyerer ist CEO der Factory Berlin, Co-Founder der Riverside Studios in Berlin, DJ, Musiker und Entrepreneur. Die Factory Berlin ist ein „Innovations-Ökosystem“ mit gut 5.000 Mitgliedern aus 92 Nationen. An drei Standorten, der Factory Berlin Görlitzer Park, der Factory Berlin Mitte und in der Factory Hammerbrooklyn in Hamburg, treffen sich Kreative aus der Tech-, Kreativ- und Unternehmensszene. Als Plattform für Networking fördern digitale Produkte, Räume, Startup-Labs, Veranstaltungen und Programme der Factory Berlin neue Verbindungen. Unterstützt von Partnern wie den Riverside Studios Berlin, Sonar+D, Google for Startups und der Code University will die Kultur der Factory Berlin Macher:innen ein Netzwerk geben. Community Manager:innen sowie Offline- und Online-Events, Initiativen und Programme fördern den Austausch und das Gemeinschaftsgefühl.

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