Präzedenzfall Flughafen: Wo bleibt die Hotell...
Präzedenzfall Flughafen

Wo bleibt die Hotellerie?

Foto: HDV
Jürgen Gangl, 1. Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland und General Manager im Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz.
Jürgen Gangl, 1. Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland und General Manager im Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz.

Nachdem Arbeitskräfte für die Flughäfen in Abfertigungstätigkeiten erleichtert einreisen können, äußert sich nun Jürgen Gangl, 1. Vorsitzender der HDV, zur Mitarbeitersituation in der Hotellerie:

"Die Flughäfen machen es vor: Da der eklatante Mitarbeitermangel an deutschen Airports zu chaotischen Verhältnissen bei der Fluggastabfertigung führt, hat die Arbeitsagentur dem Einsatz von Arbeitskräften aus der Türkei zur Unterstützung zugestimmt. Selten haben Politik und Bürokratie so schnell gehandelt. Es wurde eine „generelle Zustimmung“ für Abfertigungstätigkeiten erteilt. Diese ist auf drei Monate begrenzt und gilt bis Anfang November. Wie es heißt, hat der Arbeitgeberverband der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL) die Bundesagentur für Arbeit um die erleichterte Einreise von 2.000 türkischen Arbeitskräften gebeten, um der schwierigen Lage an den Verkehrsflughäfen Herr zu werden. Wenn der Wirtschaftsfaktor Flughafen in die Knie geht und sich der Zorn der Reisenden ob abgesagter Ferienflüge oder nicht erreichter Jobtermine entlädt, wird auch mal ein Präzedenzfall geschaffen.

Selbst Bundeskanzler Olaf Scholz meldete sich in dieser Causa zu Wort und beklagt, 1. dass generell bessere Arbeitsbedingungen in diesem Bereich erforderlich sind und 2. „zu viele weggeschickt wurden“ – sprich: Personalabbau und Verlust von Fachkräften in der Corona-Krise.
Im Zuge dessen fällt ein politisches Schlaglicht auf überlastete Mitarbeiter, schwierige Arbeitsbedingungen und Fachkräftemangel.

Hoteliers und Gastronomen bemühen sich seit Langem um Verstärkung auch aus dem nicht EU- Ausland und scheitern fast immer an den hohen Genehmigungshürden.
Das soll sich nun ändern. Die wesentliche Frage ist, wann. Was für die Flughäfen möglich ist, sollte für das Gastgewerbe ebenso unbürokratisch durchgesetzt werden können. Selbst drei Monate im Zuge einer Sonderregelung würden uns bereits über den Sommer helfen. Offenbar ist in der Politik unsere desaströse Mitarbeitersituation immer noch nicht vollständig angekommen, anscheinend sind wir nicht ausreichend öffentlichkeitswirksam. Die sprunghaft angestiegene Gästenachfrage stellt uns aber vor schier unlösbare Probleme – und zwar die gesamte Branche inklusive aller Zulieferer. Damit Abteilungen wieder sinnvoll arbeiten, Restaurants und Veranstaltungsbereiche komplett öffnen, überlastete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchatmen können, ist schnelle Hilfe dringend erforderlich. Wie das gehen kann, wurde uns anschaulich vor Augen geführt."

Über die HDV

Die 1981 gegründete Hoteldirektorenvereinigung Deutschland e.V. (HDV) bündelt die fachlichen Kompetenzen führender Top-Hoteliers. Derzeit engagieren sich 158 Hoteldirektorinnen und Hoteldirektoren als ordentliche Mitglieder und 60 Fördermitglieder aus allen relevanten Sparten der Zulieferindustrie in der HDV. Der geschätzte Jahresnettoumsatz der ordentlichen Mitglieder beläuft sich auf deutlich mehr als 2,3 Mrd. Euro, die in rund 300 Hotels mit mehr als 35.000 Zimmern und etwa 20.000 Mitarbeitern erwirtschaftet werden. Die Vereinigung mit Sitz in Stuttgart dient als Interessenvertretung und Dialogplattform der deutschen Top-Hotellerie. Die HDV versteht sich als parteipolitisch und konfessionell neutral. Zu den Aufgaben gehören auch die Aus- und Weiterbildung sowie die Förderung des fachwissenschaftlichen Nachwuchses. 

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