VOICES-Beitrag von Bettina Kasakewitsch: Reve...
VOICES-Beitrag von Bettina Kasakewitsch

Reverse Mentoring als Wissens-Booster

Foto: East End
Bettina Kasakewitsch verantwortet als Director Talents & Culture bei der Agentur East End die Entwicklung der Unternehmenskultur und Talentförderung.
Bettina Kasakewitsch verantwortet als Director Talents & Culture bei der Agentur East End die Entwicklung der Unternehmenskultur und Talentförderung.

Hybride Events, Extended Reality und integrierte Experiences über eine Vielzahl unterschiedlicher Touchpoints: Die Arbeit in der Veranstaltungsbranche hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Mit welchem unterschätzten HR-Tool sie dem Mangel an Fachkräften und Know-How langfristig entgegenwirkt, erklärt in ihrem Gastbeitrag Bettina Kasakewitsch, Director Talents & Culture bei East End, Agentur für Markenerlebnisse.

Die derzeitigen Herausforderungen für Veranstalter*innen liegen auf der Hand: Es herrscht Fachkräftemangel, vor allem versierte, integriert denkende Konzepter*innen sind schwer zu kriegen, Senior-Stellen im operativen Bereich fast unmöglich zu besetzen. Hinzu kommt der Fakt, dass Arbeitnehmende immer länger arbeiten und das Durchschnittsalter in Agenturen steigt. Pandemiebedingt ist zudem die Digitalisierung und Technologisierung viel schneller vorangeschritten als in den vergangenen Jahren. Eine erhöhte Innovationsgeschwindigkeit geht mit einer verkürzten Halbwertszeit von Wissen einher.

Es liegt in der Verantwortung der Agenturen, für diese Herausforderungen Lösungen bzw. Lösungswege zu entwickeln. Denn wer die notwendigen Fähigkeiten von seinen Mitarbeitenden erwartet, muss diese auch aktiv, regelmäßig und vor allem zügig weiterentwickeln. So zieht man sich nicht nur selbst die Fachkräfte heran, über deren Mangel sich alle beschweren, sondern stärkt auch Motivation und Bindung der Arbeitnehmenden an das eigene Unternehmen.

Wie hält man eine Agentur up-to-date?

Noch vor wenigen Jahren lag der Fokus der meisten Event-Agenturen auf Live-Experiences. Überspitzt gesagt, ging es um singuläre Inszenierungen vor Ort und das Führen verschiedener klassischer Gewerke zu einem Gesamt-Erlebnis am Veranstaltungsdatum. In den vergangenen zwei Jahren hat es jedoch eine Verschiebung hin zu integrierten, virtuellen Experiences gegeben – auch über den Ereigniszeitpunkt hinaus. Dadurch verändern sich die Anforderungen an Event-Profis: Unsere Kunden haben einen erhöhten Beratungsbedarf, die digitalen Ebenen erfordern mehr Know-How in angrenzenden Fachbereichen und die Steuerung der Projektteilnehmern ist wesentlich komplexer, schneller und anspruchsvoller geworden. Das geht natürlich nur, wenn wir selbst auf dem neuesten Stand sind und ein Gespür für Trends entwickeln bzw. neue Trends schnell adaptieren können.

Niemand hat je ausgelernt. Dieses Verständnis ist für mich als Director Talents & Culture essenziell. Aus meiner Sicht ist eine „Lernende Kultur” einer der wichtigsten Schlüssel für die Zukunft. Deshalb ist es meine Aufgabe, in unserer Agentur ein umfangreiches Wissensmanagement zu etablieren und dieses in die Unternehmenskultur zu integrieren. Schließlich bedeutet lebenslanges Lernen geistige Flexibilität und mentale Gesundheit, was sich wiederum positiv auf die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeitenden und auf die Qualität unserer Arbeit auswirkt.
„Aus meiner Sicht ist eine „Lernende Kultur” einer der wichtigsten Schlüssel für die Zukunft. “
Bettina Kasakewitsch, Director Talents & Culture bei East End, Agentur für Markenerlebnisse

Was kann Reverse Mentoring?

Reverse Mentoring ist eine Form der klassischen Wissensvermittlung, bei der erfahrene Kolleg*innen die Junior*innen und neue Mitarbeitenden einarbeiten. Beim Reverse Mentoring (zu deutsch „umgekehrte Betreuung“) coachen die „jungen Hüpfer“ die „alten Hasen“. Dazu werden Tandem-Paare aus Mitgliedern zweier Generationen gebildet, die sich daraufhin in verschiedensten Dingen unterrichten. Inhaltlich geht es einerseits vor allem um Themen wie Digitalisierung, Social Media, Trends und Technologien. Andererseits um das Lernen von Erfahrungen und die Vermittlung von Sicherheit durch den Senior.

Diese Methode bietet eine Menge fachlicher Vorteile: Durch den Austausch auf Augenhöhe wird nicht nur das aktiv vermittelte Know-how, sondern auch implizites Wissen bewahrt, verteilt, genutzt und entwickelt. Auch das Arbeitsklima kann Reverse Mentoring positiv beeinflussen. Zum einen, weil sich die Mitarbeitenden wertgeschätzt fühlen, da sie ihr sehr unterschiedliches Wissen gleichermaßen einbringen können. Zum anderen, weil sie einen engen Kontakt zu Kolleg*innen „außerhalb ihrer Bubble“ aufbauen und Verantwortung für deren „Ausbildung“ tragen. All das kann das Selbstbewusstsein, neue Aufgaben zu übernehmen und für Probleme kreative Lösungen zu entwickeln, steigern. So können sich Agenturen ihre eigenen Fachkräfte heranziehen und sie gleichzeitig an das Unternehmen binden.

Die Bedingungen haben sich geändert

Ebenso wie sich Events selbst enorm verändern haben, müssen sich auch Agenturen im Inneren verändern. Die stetige Weiterentwicklung muss Teil der täglichen Arbeit sein und darf nicht in Etappen gedacht werden. Die Methode des Reverse Mentoring kann dabei helfen. Kombiniert mit dem klassischen Mentoring entsteht ein aktiver Dialog, der die Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis Fachbereichs-, Generationen- und Hierarchieübergreifend verbessert. Das gibt Raum für noch mehr Teamwork, Perspektivenwechsel und bessere Ideen.

Und auch, wenn die Initiierung dieser innovativen Lernmethode ein gewisses Invests bedarf – schließlich müssen Strukturen erarbeitet, Hemmschwellen überwunden und neue Abläufe mit Feingefühl etabliert werden –, ergibt sich in meinen Augen eine Win-Win-Situation. Denn heute, wo agile Prozesse unumgänglich sind, ist eine optimierte Zusammenarbeit das A und O. Und nur ein starkes Team entwickelt starke Events mit Erlebnissen, die über den Moment hinaus wirken. Bettina Kasakewitsch
Wer ist Bettina Kasakewitsch?
Bettina Kasakewitsch ist Director Talents & Culture bei East End, Agentur für Markenerlebnisse. In der international agierenden Agentur mit über 20 Jahren Erfahrung ist Kasakewitsch für den personellen Ausbau, die Entwicklung von Talenten sowie die Weiterentwicklung der Unternehmens- und Führungskultur im Sinne von „New Work” verantwortlich. Die Agentur East End ist spezialisiert auf ganzheitliche strategische Beratung, Konzeption und die Realisierung der Events. Das Unternehmen zählt zu den 15 umsatzstärksten Eventagenturen und nach einer Umfrage des Wirtschaftsmagazins brand eins zu den Top-3-Agenturen für Event- und Live-Kommunikation in Deutschland.
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